Die schwarz-rote Landesregierung nähert sich ihrem ersten Geburtstag. Richtig große Sprünge hat die Neuauflage der Großen Koalition in Tirol noch nicht vollbracht. Aber vielleicht wird’s ja noch.
Heute vor genau einem Jahr hat sich die VP mit Anton Mattle gefreut. Über Platz eins und einen historischen Verlust von fast zehn Prozentpunkten. Heute vor einem Jahr lächelte Georg Dornauer von der SP in die Kameras und verkaufte das Abrutschen hinter die FP auf Platz drei als Erfolg. Vier Wochen nach der Landtagswahl 2022 war sie paktiert, die neue alte Große Koalition. Ein Jahr später sitzen Landeshauptmann Mattle und Vize Dornauer fester denn je im Sattel. Vorerst ist es jedoch eine Große Koalition der kleinen Schritte.
ÖVP und SPÖ treten in Tirol weitgehend auf der Stelle. Das ist nicht unmittelbar ihre hocheigene Schuld. Natürlich gab’s da die Ausläufer der Pandemie. Natürlich pfuschte dem Toni und dem Schorsch auch die nicht enden wollende Teuerung ins Handwerk. Und dann gab’s da noch die Vielzahl an Baustellen, die dem Duo quasi als Hochzeitsgabe mit ins erste gemeinsame Regierungsjahr gegeben wurde. Danke, Günther. Mattle wird es sich oft gedacht haben. Vieles davon hat ihm sein Amtsvorgänger auf dem LH-Sessel, aber auch in der Landespartei – Platter – hinterlassen. Manches kam neu hinzu. On top sozusagen. GemNova, Zillertalbahn, Matrei, Tratter. Dornauer musste die Suppe mit auslöffeln. Und versalzte sie sich auch selbst da und dort. Mit unnötigen Randnotizen. Wie Bikinifotos.
Mattle und Dornauer sind angetreten, das Land zu stabilisieren und zu erneuern. Was ist stabil? Ein Milliardenrucksack an Schulden? Der muss erst in den kommenden Jahren mit budgetärem Schweiß und wohl auch einigen Tränen abgebaut werden. Ein Klimapfad, der längst außer Reichweite scheint? Weil an der Wasserkraftfront weiter noch viel Wasser das Kaunertal und Ötztal runterrinnen wird, bevor gebaut wird? Und sich die Photovoltaik-Offensive bislang in ein paar Parkplatzüberdachungen verliert? Windrad hat Tirol immer noch keines. Aber der Franz Hörl hat’s doch versprochen!
Ja, im Versprechen des Ausbaus der Kinderbetreuung ist Schwarz-Rot weitergekommen. Es gibt einen Leitantrag. Papier betreut aber noch keine Kinder. Die Nagelprobe steht also aus. Aber malen wir jetzt nicht gleich den Teufel an die Wand. Auch wenn vom versprochenen Rechtsanspruch aktuell nur ein „Recht auf Vermittlung“ übrig ist.
Die Opposition wird mit dem Koalitionsduo kaum Geburtstag feiern. Die ist erst gar nicht zur Party eingeladen. Mattle und Dornauer haben Tirol ein neues Regieren versprochen. Das Bemühen kann man beiden nicht absprechen. VP/SP geht ins zweite Jahr. Daumen halten, dass 2024 etwas mehr und schneller weitergeht in diesem Land.
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