„ÖVP will mit Hilfe des Wirtschaftsbundes über die Hintertür die 45-Stunden-Woche einführen!“

Der Vorarlberger ÖVP-Wirtschaftsbunddirektor Christoph Thoma wurde im "Bludenzer Anzeiger" mit dem Sager zitiert: „Wenn die SPÖ über 32 Stunden Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich spricht, dann müssen wir auch über 45 Stunden bei mehr Gehalt und einer steuerlichen Entlastung nachdenken.“ Manuela Auer, Vizepräsidentin der Arbeiterkammer Vorarlberg, nimmt dazu Stellung und kritisiert Thoma scharf für seine Äußerungen. 

47 Millionen Mehr- und Überstunden pro Jahr werden nicht bezahlt

„Allein im Jahr 2022 wurden in Österreich 47 Millionen Mehr- und Überstunden weder in Zeit noch in Geld abgegolten. Das entspricht einem Lohnraub von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Das ist der wahre Skandal und darüber sollten wir sprechen, bevor wir zusätzliche Anreize schaffen, um die Menschen noch länger arbeiten zu lassen“, zeigt sich Auer empört. 

Steuerliche Begünstigung für 10 Stunden / Monat ist bereits Gesetzeslage

Die Rechnung ist einfach: 2.804,25 Euro brutto dividiert durch 4,33 Arbeitswochen pro Monat und dividiert durch 40 Wochenstunden ergibt einen Stundensatz von 16,19 Euro brutto. Weil nur der 50 prozentige Überstundenzuschlag steuerbegünstigt ist, sprechen wir von 8,08 Euro (16,19 / 2), die pro Überstunde steuerbegünstigt sind. Für zehn Überstunden machen die Zuschläge insgesamt 80,80 Euro aus. Bis zu 86 Euro pro Monat sind diese jedoch gedeckt. 

„Die Möglichkeit 45 Stunden pro Woche zu leisten, ist schon heute vom Arbeitszeitgesetz gedeckt. Wenn Herr Thoma von einer steuerlichen Begünstigung der Überstundenarbeit spricht, dann übersieht er, dass § 68 Absatz 2 Einkommenssteuergesetz schon heute eine steuerliche Begünstigung für bis zu 10 Überstunden pro Monat vorsieht. An der Stelle frage ich mich schon, um viele Stunden mehr wir laut Herrn Thoma dann alle arbeiten sollen? 45, 50 oder gar 60?“, so Auer. 

Trend in Richtung Arbeitszeitverkürzung statt Mehrarbeit

„Es liegt ja auf der Hand: Wer Mehrarbeit steuerlich begünstigen will, öffnet Tür und Tor für mehr Arbeit. Dabei wissen wir aus unzähligen Studien, dass die Menschen weniger arbeiten wollen. Eine Arbeitszeitverkürzung fördert die Gesundheit und macht die Menschen produktiver. Das gilt insbesondere für Berufe in der für die Gesellschaft so wichtigen Daseinsvorsorge – also für Beschäftigte in den Bereichen Gesundheit/Pflege, Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, Stadtreinigung, Einzelhandel und Bild“, so Auer. 

„Während die Mehrheit der Arbeitnehmer:innen sich kürzere Arbeitszeiten wünschen, prescht der ÖVP Wirtschaftsbunddirektor mit solch einem Vorschlag vor. Es ist offensichtlich, dass der ÖVP-Wirtschaftsbund sich immer eindeutig für mehr Arbeitszeit eingesetzt hat. Das haben wir bereits bei der Einführung der 60-Stunden-Woche gesehen“, so Auer. 

Forderung auf Entlastung des Faktors Arbeit

„Es ist irreführend und unaufrichtig den Arbeitnehmer:nnen zu erzählen, die Steuern auf Überstunden seien zu hoch, ohne dabei die ganze Geschichte zu erzählen: Wenn Herr Thoma wirklich möchte, dass den ArbeitnehmerInnen mehr Netto in der Geldbörse bleibt, muss er eine generelle steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit und eine Erhöhung des vermögensbezogenen Steueraufkommens fordern“, so Auer abschließend.

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