Das Dilemma ist bekannt. Die SPÖ befindet sich in einer Führungskrise. Dass die Sozialdemokraten mit Pamela Rendi-Wagner in die Nationalratswahl gehen, glaubt kaum jemand – wer ihr nachfolgen soll, weiß kaum jemand.
Weil es gerade so passt in die Dramaturgie. Als nach dem alles andere als gut orchestrierten Abgang von Christian Kern Pamela Rendi-Wagner zur Parteivorsitzenden gewählt wurde, reagierte die Partei ein wenig mit Stolz. Erstmals in ihrer 130-jährigen Geschichte wurde eine Frau zur Vorsitzenden gewählt – zwar war sie nicht gut vernetzt in der SPÖ, aber ein klassisches Kind der Kreisky-Jahre. Die Tochter einer Alleinerzieherin, aufgewachsen in der Wiener Per-Albin-Hansson–Siedlung, legte als Medizinerin eine steile Karriere hin. Von der Spitzenbeamtin im Gesundheitsministerium bis zur Gesundheitsministerin. Und dann formulierte sie nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden ihr großes Ziel. Sie will Österreichs erste gewählte Bundeskanzlerin werden.
Weil es gerade so passt in die Dramaturgie. Morgen ist Weltfrauentag. Nach dem Debakel bei der Kärntner Landtagswahl kocht nun zum x-ten Male die Führungsdebatte hoch. Wie schon nach dem von Rendi-Wagner zu verantwortenden schlechtesten Nationalratswahlergebnis der SPÖ im Jahre 2019, ihrem versuchten Befreiungsschlag einer Vertrauensfrage im Jahre 2020 und Monate später nach einer regelrechten Streichorgie beim Parteitag steht sie unter Dauerbeschuss. Die Parteivorsitzende hängt angeschlagen in den Seilen. Aber sie steht.
Denn bis vor einem halben Jahr konnte sie auf Umfragen verweisen: Die SPÖ befindet sich auf dem ersten Rang. Doch dieses Meinungsbild hat sich mittlerweile massiv verändert. Der zynische Kommentar der Genossen im Herbst lautete noch: Die SPÖ wird wieder Kanzlerpartei – trotz Rendi-Wagner. So heißt es nun: Mit Rendi-Wagner könnte die SPÖ bei der nächsten Nationalratswahl noch den dritten Platz erreichen.
Weil aber niemand in der Partei bereit ist, Rendi-Wagner offen in Frage zu stellen, zeigt man lieber mit dem Finger auf den burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Man unterstellt ihm bei jeder Wortmeldung übertriebene Männlichkeit. Er könne sich einfach nicht damit abfinden, dass eine Frau an der Spitze steht.
Nein, Rendi-Wagner hat ein anderes Problem. Sie hat um sich ein schlechtes Team, sie brennt nicht für Ideen, zieht sich immer wieder in eine Wagenburg zurück und hofft, dass Bürgermeister Michael Ludwig ihr zur Seite steht. Doch will die SPÖ zurück ins Kanzleramt, muss sie wohl nach der Salzburger Landtagswahl die Personalfrage beantworten. Nur zu wissen, dass sie mit Rendi-Wagner nicht gewinnt, aber nicht, wer die Partei in die Wahl führt, hat nichts mit roter Macho-Logik zu tun, sondern mit Orientierungslosigkeit.
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