Schenkung von Materialien des Instituts für historische Anthropologie an das Österreichische Volkshochschularchiv

Das Institut für historische Anthropologie, gegründet 1996 unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt, übergibt umfangreiche volksbildungs- bzw. erwachsenenbildungsbezogene Materialien an das Österreichische Volkshochschularchiv. Anlass für die Schenkung ist die Aufgabe eines Institutsstandortes im 3. Bezirk (das Institut bleibt bestehen und arbeitet an anderer Adresse weiter).

Materialien, in denen sich fundierte und engagierte geschichtswissenschaftliche Analyse und Dokumentation spiegeln, wandern damit vom Prozess der Forschung in ein wichtiges wissenschaftliches Archiv. Sie behalten so ihren Charakter als Rohmaterial für kritisch-analytische und kulturwissenschaftlich gestalterische Tätigkeit; das Potenzial dieses Materials bleibt dabei erhalten.

Bildung als Grundlage von Emanzipation und Empowerment

Die Schenkung repräsentiert ein wissenschaftliches, ein dokumentarisches und ein kulturpolitisches Anliegen. Diese Verbindung von Politik, Wissenschaft und Volksbildung sieht der Vorsitzende des Verbandes Wiener Volksbildung Christian Deutsch so: „Bildung ist der grundlegende Aspekt von Selbstbewusstsein, Selbstgewissheit und Identität. Bildung muss daher für alle zugänglich sein. Bildung ermöglicht Emanzipation und Empowerment und soll gleiche Zugangsmöglichkeiten schaffen.“

Dazu Herbert Schweiger, der Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen: „Die Stärkung von Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit sind Hauptaufgaben volksbildnerischer Tätigkeit. Bei der Durchsicht der aufgelisteten Materialien und bei den Themen der Projekte, die dokumentiert sind, zeigt sich der Wert für eine zeitgeschichtliche, politik-, gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Analyse von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Es handelt sich um eine wissenschaftsgeschichtlich einmalige Dokumentation über einen Zeitraum von 50 Jahren“.

170 Kartons dokumentieren Paradigmen und Narrative im Wandel der Zeit

Das Material besteht aus Unterlagen zu erwachsenenbildnerisch relevanten Themen (inhaltlich, methodisch, projektbezogen) – von Beginn der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart. Ein wichtiger Teil des Bestandes sind Dokumente universitärer Lehrveranstaltungen – u. a. Prüfungsarbeiten, Abschlussarbeiten in Form von Diplomarbeiten, Masterarbeiten, Dissertationen – über den Zeitraum von 1980 bis 2022, die unter der Betreuung und Aufsicht von Prof. (vorher Assistent, Lehrbeauftragter, Dozent) Ehalt entstanden sind. Ehalt war und ist dabei nicht nur auf wissenschaftliche Qualität fokussierter Universitätslehrer, sondern auch Volksbildner im besten Sinn des Wortes. Anhand dieser Unterlagen ist der Wandel von Begrifflichkeit, von Metaphern, von Paradigmen und Methoden, von Diskursen und Narrativen im gegebenen Zeitraum von 42 Jahren deutlich ablesbar.

Die für das Österreichische Volkshochschularchiv vorbereiteten Bestände enthalten Unterlagen in einer Reihe von Ordnern über Veranstaltungen von Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt in seinen Funktionen als Leiter und Lehrer in der Erwachsenenbildung, als Fachgruppenleiter, Leiter von Seminaren im Bildungshaus Rif, etc. Weiters enthalten sind Bestände, die aus Ehalts Tätigkeiten für die Materien „Architektur und Gesellschaft“, „Geschichte von unten“, „Wien um 1900“, „Stadtteilarbeit“, „Aktionsforschung“, „Natur und Kultur“ bzw. „Biologie und Geschichte“, „Jugend, Familie, Geschlechterrollen“, „Alltagsgeschichte“, „Schulgeschichte“, „Lebensgeschichte(n)“, „Essen und Trinken“, „Wohnen“, „Sexualität“, „Fotografie und Gesellschaft“, etc. erwachsen sind.

Alles in allem Materialien im Umfang von 170 Übersiedlungskartons, darunter etwa 3.000 Bücher, Broschüren, Zeitschriften zu kulturwissenschaftlichen Themen und Projektunterlagen – vom Exposé bis zum Projektabschluss.

Wertvolle Bereicherung des Österreichischen Volkshochschularchivs

„Bereits ein erster Blick in die Liste der Materialien zeigt“, so der Direktor des Österreichischen Volkshochschularchivs Dr. Christian H. Stifter, „um welch wertvolle Bereicherung des Archives es sich hierbei handelt. Der unmittelbare Konnex zu Ehalts immenser Tätigkeit als Forschender und Lehrer sowie als Wissenschaftsförderer und -vermittler macht diesen Sammlungsbestand zur 'lebendigen' Dokumentation einer wohl weit über Österreichs Grenzen hinaus einzigartigen beruflich-wissenschaftlichen Aktivität.“

„In dem Zeitraum der letzten 50 Jahre haben sich Diskurse, Begrifflichkeiten, erkenntnisleitende Interessen, Forschungsgegenstände und Forschungsfragen deutlich verändert. Die Materialien bilden exemplarisch Zeitgeschichte, Gesellschaftsgeschichte, Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Geschichts- und Kulturwissenschaften, aber auch die Geschichte der handelnden Institutionen (Universitäten, Archive, Kulturvereine, etc.) ab. Die Schenkung macht diese Projektunterlagen für erwachsenenbildnerisch relevante kulturwissenschaftliche Diskurse in der Zukunft verfügbar“, analysiert der Initiator der Schenkung und Institutsleiter, Hubert Christian Ehalt.

Eine kritische kulturwissenschaftliche Analyse der Welt ist eine Grundlage für Demokratie in der Gesellschaft, das ist der Konsens der Beteiligten an dem materiellen und intellektuellen Transfer dieser Schenkung.

Weitere Infos zum Österreichischen Volkshochschularchiv unter www.vhs.at/archiv.

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