„Es gibt noch viel zu tun. Die Studienergebnisse zur Umsetzung der nationalen Roma-Strategie bekräftigen zum einen deren Notwendigkeit, zum anderen verdeutlichen sie aber auch den bestehenden Handlungsbedarf in allen gesellschaftlichen Bereichen – sei es am Arbeitsmarkt oder im Wohnbereich. Vor allem braucht es aber eine gute Datengrundlage, damit überprüft werden kann, ob die getroffenen Maßnahmen auch effizient sind. Jedenfalls sind Rom:nja in die Entwicklung und Umsetzung der Strategie einzubinden, denn sie sind es, die ihre Lebensrealitäten am besten kennen. Der paternalistische Zugang der Mehrheitsgesellschaft muss ein Ende haben, wir brauchen ein Empowerment der Rom:nja selbst“, erklärt Olga Voglauer, Volksgruppensprecherin der Grünen, im Rahmen einer Studienpräsentation.
Bei der am Dienstag präsentierten Studie zur Evaluierung der nationalen Strategie zur Inklusion der Rom:nja in Österreich (SENSIRO-Projekt) wurden erstmals 400 in Österreich lebende Rom:nja und Jenische zur Umsetzung der Roma-Strategie und ihren Erfahrungen in Österreich befragt.
„Neben einer vollständigen Gleichberechtigung und Chancengleichheit ist die Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen zentral. Für die zukünftige Entwicklung der Roma-Strategie müssen wir uns aber auch den Bildungsangeboten für Romanes und die jenische Sprache widmen. Die bestehende Marginalisierung dieser Sprachen ist inakzeptabel – das Jenische kommt im Bildungswesen nicht einmal vor. Neben der Sicherstellung von Angeboten müssen wir auch bei der Weiterbildung des Lehrpersonals sowie bei entsprechenden Unterrichtsmaterialien zur Förderung von Diversität ansetzen“, hält Voglauer fest.
Diskriminierung erleben Rom:nja laut Studie am häufigsten im Umgang mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen. „Antiziganismus ist leider noch immer ein weit verbreitetes Phänomen. Klar ist: Das ist ein Problem der Mehrheitsgesellschaft und nicht der Rom:nja. Die Mehrheitsgesellschaft muss sich damit auseinandersetzen und bestehende Vorurteile überwinden. Für die Betroffenen ist es aber auch bedeutsam, sich gegen Diskriminierung wirksam zur Wehr setzen zu können. Vom Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus erwarte ich mir auch in diesem Bereich Fortschritte“, erklärt Voglauer.
Neben einer stärkeren Sichtbarmachung von Rom:nja in der Gesellschaft brauche es auch ein besseres Verständnis über Geschichte und Kultur(en) der Rom:nja. Dies betrifft besonders die Wissensvermittlung in Bildungsinstitutionen, aber auch andere Orte der öffentlichen Bildungs- und Kulturarbeit, beispielsweise in Museen. Dazu Voglauer: „Wir brauchen auch eine würdige Erinnerungskultur und eine inklusives Gedenken. Noch immer gibt es in der Bundeshauptstadt kein zentrales Denkmal für die Opfer des Porajmos. Diese Forderung der Community, die seitens der Grünen mit Nachdruck unterstützt wird, sollte ehestmöglich umgesetzt werden.“
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