Wien (OTS) – Der ORF-Publikumsrat hat in seiner Plenarsitzung am Donnerstag, dem 3. März 2022, unter dem Vorsitz von Mag. Walter Marschitz folgende Empfehlung einstimmig angenommen:
Empfehlung des ORF-Publikumsrats zur Umweltberichterstattung
Umwelt- und Klimaschutz sind zentrale Themen unserer Zeit und auch für breite Gruppen des ORF-Publikums – quer über alle Altersbereiche – von großem Interesse. Laut einer Studie des ORF interessieren sich 80 Prozent der Befragten für Klimaschutz, aber nur 55 Prozent von denen, die sich grundsätzlich für das Thema interessieren, fühlen sich auch ausreichend darüber informiert.
Der ORF-Publikumsrat begrüßt daher die Absicht der ORF-Geschäftsführung, dem Thema mit einem neuen Umwelt- und Klimaformat noch zusätzliches programmliches Gewicht zu verleihen.
Für dieses neue Format sowie für die Umweltberichterstattung insgesamt regt der Publikumsrat an:
- Umwelt und Klimaschutz sollen umfassend behandelt werden:
Umweltschutz umfasst neben dem Klimaschutz auch Schutz der Landschaften, Schutz der Natur, Artenschutz, Schutz des Wassers und Schutz der Wälder. Auch Themen wie Umweltgerechtigkeit und (Umwelt-)Technologien sollen darin Platz finden. - Die Treiber von Umweltzerstörung wie Ressourcenübernutzung, Nutzung nicht nachhaltiger Energiequellen etc. sollen beleuchtet und Alternativen dargestellt werden.
- Zur Verstärkung des Umweltbewusstseins, insbesondere der Umweltbildung, sollen im Sinne einer Serviceorientierung die Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen (z. B. bei der Müllvermeidung oder der bewussten Nutzung von Ressourcen) aufgezeigt werden.
- Das geplante Format und die Berichterstattung sollen dem Umstand Rechnung tragen, dass in vielen Bereichen des Umwelt- und Klimaschutzes Zielkonflikte bestehen, mitunter sogar zwischen bestimmten Anliegen beim Klimaschutz und Umweltschutz selbst. Um diese herauszuarbeiten und transparent zu machen, ist es wichtig, dass die Positionen unterschiedlicher Stakeholder Berücksichtigung finden.
- Es soll eine strikte Trennung zwischen der Berichterstattung und Kooperationspartnern aus der werbetreibenden Wirtschaft sowie anderen Interessensgruppen geben. Es soll auch keine redaktionelle Vermischung mit Kampagnen des ORF geben.
- Das Thema soll nicht nur alarmistisch, sondern auch unter dem
Aspekt der darin liegenden Chancen beleuchtet werden. Innovationen, Lösungsansätze und positive Beispiele sollen ebenso präsentiert werden wie die Chance, dass viele Menschen im Umwelt- und Klimabereich die Möglichkeit zu einer Ausbildung und Arbeit haben. - Der notwendige Faktencheck erfordert hochqualifizierte und informierte Redakteurinnen und Redakteure und damit auch die entsprechenden Ressourcen.
- Gerade bei Themen, die einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen und diesen zum Ausdruck bringen, sind Glaubwürdigkeit und objektive Information von besonderer Bedeutung. Das, was wissenschaftlich außer Streit steht, und das, was an Interessenslagen und Meinungen in der Gesellschaft vorhanden ist, gehören in der Darstellung sauber getrennt.
- Die Land- und Forstwirtschaft spielt aufgrund der Tatsache, dass 80 Prozent der Landfläche von ihr bewirtschaftet wird, eine besondere Rolle. Diese soll sachlich und differenziert behandelt werden.
Außerdem wird angeregt, über ein geeignetes Format für Kinder und Jugendliche nachzudenken und den Klimaschutzpreis vom ORF wieder ins Leben zu rufen.