Caritas zu erhöhtem Teuerungsausgleich: Wichtiger erster Schritt ersetzt langfristig notwendige Sozialreformen nicht

Wien (OTS) – Die heute im Sozialausschuss beschlossenen Maßnahmen zum erhöhten Teuerungsausgleich für einkommensschwache Haushalte sind dringend notwendig und daher sehr zu begrüßen, so Caritas Generalsekretärin Anna Parr: „Eine Inflationsrate von 5% verstärkt die finanzielle Not von armutsbetroffene Menschen und zwingt sie derzeit oft zu unwürdigen Entscheidungen wie: ‚Heize ich meine Wohnung oder fülle ich den Kühlschrank?‘ Der verdoppelte Teuerungsausgleich für Menschen mit niedrigen Einkommen, wie Mindestpensionist*innen, beschäftigungslose Menschen, oder Sozialhilfe-Empfänger*innen, ist nicht nur eine wichtige, sondern eine absolut notwendige Maßnahme. Schließlich trifft die Härte der Inflation nicht alle gleich. Umso wichtiger ist es, dass die Mittel nun auch rasch bei den Menschen ankommen.“

Alles tun, um finanzielle Härtefälle zu verhindern

Im Vergleich zu einkommensstärkeren Haushalten haben armutsbetroffene Menschen keine Chance etwas anzusparen, weiß Parr. Durch das Ansteigen der Kosten kommen aber auch jene in Bedrängnis, die vorher gerade noch so über die Runden gekommen sind. “Haushalte mit niedrigerem Einkommen geben den größten Teil ihres Geldes für Wohnen, Energie und Lebensmittel aus – also für die Deckung ihrer grundlegendsten Bedürfnisse. Steigen hier die Kosten, kommen armutsbetroffene Haushalte sofort unter Druck“, so Parr. In zwei Jahren Pandemie haben viele Menschen auch noch ihre letzten Reserven aufgebraucht. „Klar ist: Zusätzliche Notlagen dürfen sich bei steigenden Preisen nicht verstärken und müssen verhindert werden. Wir müssen alles tun, um finanzielle Härtefälle zu verhindern. Hier sind wir in unseren 56 Sozialberatungsstellen für die Menschen da und unterstützen sie dabei, ihre Miete zu bezahlen, Stromrechnungen zu begleichen oder einen Lebensmitteleinkauf zu finanzieren“.

Gesundheitliche und soziale Folgen von Energiearmut

Dass die Bundesregierung erneut mit einer zusätzlichen Einmalzahlung von 150 Euro für Haushalte mit wenig Einkommen gegensteuert, ist wichtig, um die akute finanzielle Not angesichts der steigenden Preise für Energie, Mieten und Lebensmittel rasch zu lindern. 94.000 Haushalte in Österreich sind von Energiearmut betroffen. Die Auswirkungen von Energiearmut sind dramatisch, warnt Parr: „Energiearmut führt zu Atemwegserkrankungen, Herz- und Kreislaufproblemen, Infektionskrankheiten und psychischen Problemen. Energiearmut wirkt sich auch auf das soziale Leben aus: Wer seine Wohnung nicht heizt und keinen Strom hat, empfängt oftmals keinen Besuch. Energiearme Haushalte leiden verstärkt unter Einsamkeit. Und wer keinen Strom oder gesicherte Energieversorgung hat, hat auch Probleme am gemeinsamen Leben teilzunehmen. Ich denke an Kinder, die im Home-Schooling immer mehr den schulischen Anschluss verlieren, an Menschen, die digitale Amtswege nicht mehr abwickeln können und so von digitaler Exklusion betroffen sind.“

Sozialreform und Anpassung der Sozialleistungen

Aus Sicht der Caritas werden die Teuerungswelle und steigende Energie- und Heizkosten die Situation von 1,22 Millionen armutsgefährdeten Menschen in Österreich weiter massiv verschärfen. „Die heute beschlossenen Einmalzahlungen sind wichtig. Sie ersetzen aber keinesfalls langfristig notwendige Sozialreformen“, so Parr. Um zu verhindern, dass Sozialleistungen von der Teuerungswelle aufgefressen werden, braucht es dringend auch Anpassungen auf der Einnahmenseite: entsprechende Erhöhungen beim Arbeitslosengeld, eine Reform der Sozialhilfe sowie eine Anpassung der Familienleistungen an die tatsächlichen Ausgaben für Kinder, fordert Parr: „Es ist wichtig, dass Sozialleistungen an das jetzige Preisniveau angepasst und dann regelmäßig valorisiert werden, damit vor allem jenen, die auf Unterstützungsleistungen angewiesen sind, nicht immer weniger Geld übrigbleibt.“

Die kürzlich veröffentlichte Kinderkostenstudie zeigt, dass Familienleistungen schon jetzt nicht dem entsprechen, was Kinder kosten. Wenn diese Leistungen dann zudem nicht an die aktuelle Teuerung angepasst werden, wird die finanziellen Mehrbelastungen für viele Familien zu einer unüberbrückbaren Hürde.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender. Caritas Österreich

ArmutInflationInnenpolitikSozialesTeuerungsausgleichWirtschaft und Finanzen
Comments (0)
Add Comment