Wien (OTS) – In den vergangenen Tagen haben im Zuge der diesjährigen KV-Verhandlungen der Sozialwirtschaft nach Angaben der Gewerkschaften Warnstreiks in knapp 250 sozialwirtschaftlichen Betrieben und Einrichtungen stattgefunden. Auswirkungen auf die von den Organisationen betreuten Menschen hatte das bisher kaum oder nur in geringem Ausmaß. „Wir erkennen das deutliche Bemühen der Gewerkschaft an und appellieren, dass auch weiterhin verantwortungsvoll mit dem Streikrecht umgegangen wird. Betreuungsbedürftige und ihre Angehörigen verlassen sich auf uns“, so Walter Marschitz, Verhandlungsführer der in der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) organisierten Arbeitgeber. Darüber hinaus appelliert er dafür, die Branche nicht mit fehlinterpretierten Zahlen in ein falsches Licht zu rücken. *****
„Auch wenn derzeit aus verhandlungstaktischen Gründen oft das Gegenteil behauptet wird, unsere Branche hat enormen Zulauf“, so Marschitz. Laut Statistik Austria ist die gesamte Beschäftigung in Österreich von 2008 auf 2016 um sechs Prozent gestiegen. Im Sozialwesen ist die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum um 37 Prozent und bei den Pflegeheimen sogar um 49 Prozent gestiegen. Insgesamt haben in diesem etwa zehnjährigen Zeitraum knapp 25.000 Menschen mehr im Sozialwesen und 13.000 mehr im Bereich der Heime gearbeitet. „Der Zuspruch zur Branche ist gut, das belegen die Zahlen. Das Problem ist, dass die Nachfrage beispielsweise nach Pflegeplätzen aber noch schneller steigt. Wenn wir die Arbeitszeit verkürzen, verschärfen wir dieses Problem sehenden Auges. Das kann niemand wollen“, erläutert Marschitz. Er sieht auch die Politik in der Pflicht: „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die wir nicht im Zuge von KV-Verhandlungen lösen können. Dafür braucht es unter anderem die vielfach angekündigte Pflegereform.“
In der Sozialwirtschaft gibt es österreichweit mehrere tausend Betriebe. Sehr viele der 460 Mitgliedsorganisationen unterhalten mehrere Standorte und Einrichtungen. So hat beispielsweise die Lebenshilfe allein österreichweit rund 500 Standorte. (Schluss)
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