Wien (KAP) – Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat am Montag einen „Aufruf zur politischen Verantwortung von Christinnen und Christen für ein solidarisches Europa“ veröffentlicht. Die Kirchen fordern in der Erklärung ein soziales Europa, „in dem die Würde eines jeden Menschen gewährleistet ist“. Weiters lehnen die Kirchen ein Europa ab, „das zur Festung ausgebaut wird“. Stattdessen mahnen sie mehr Hilfe für Flüchtlinge ein.
Heftige Kritik wird in der Erklärung weiters an „nationalistischen Entwicklungen“ in Europa geübt, gepaart mit dem Rückbau demokratischer Errungenschaften. Anlass für die vom Vorstand des ÖRKÖ unterzeichneten Erklärung ist zum einen die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft Österreichs, zum anderen die anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2019.
Der ÖRKÖ zeigt sich angesichts von Armut und Obdachlosigkeit, einer zunehmender Ausgrenzung von Menschen und großer Wohlstandsunterschiede in Europa und innerhalb der einzelnen Länder besorgt. All dies verweise auf die bisher ungelöste Aufgabe der Verwirklichung einer solidarischen Gemeinschaft. Soziale Konfliktstoffe bedrohten das Miteinander und stellten eine Belastung für Europas Zukunft dar. Der ÖRKÖ fordert deshalb einen europäischen Sozialkonvent.
Hinsichtlich der aktuellen Diskussion der Themen Flucht und Migration erwartet sich der ÖRKÖ von der Europäischen Union, dass sie Menschen nicht ausgrenzt, sondern vor allem in die Integration von Menschen investiert. Dies sei – so der Nachsatz – „zum Wohl aller“. „Europa muss ein Hafen für Menschen sein, die Schutz vor Verfolgung suchen. Wir lehnen ein Europa ab, das zur Festung ausgebaut wird“, heißt es in der Erklärung wörtlich.
Eindringlich warnen die Kirchen vor dem „Ungeist des Nationalismus“. Mit nationalistischen Entwicklungen gehe der Rückbau demokratischer Errungenschaften und die Einschränkung von Grund-und Freiheitsrechten einher. Deshalb heißt es in der ÖRKÖ-Erklärung: „Wir treten für eine Europäische Union ein, in der die Bürgerinnen und Bürger ein hohes Maß an Mitbestimmung haben, das auf Gewaltenteilung, Transparenz, Pressefreiheit und einer starken Zivilgesellschaft beruht.“ Es sei Aufgabe der Europäischen Union, Regierungen zu sanktionieren, die gegen die Einhaltung demokratischer Grundwerte verstoßen.
Angesichts von aktuell größeren und kleineren nationalen Konflikten in Europa seien die Kirchen aufgerufen, „sich als Brückenbauerinnen zwischen Konfliktparteien bzw. Nationen zu bewähren, um so die Fundamente Europas zu stärken“, hält der ÖRKÖ weiters fest. Versöhnung – ein zentraler christlicher Begriff – habe auch eine politische Dimension. Europa – „ein Kontinent in der Krise“ – brauche neue zukunftsfähige Ideen und deren Verwirklichung.
(Infos zum ÖRKÖ und der Wortlaut der Erklärung: www.oekumene.at)
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