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ÖVP-Akademie und der politische Islam: Mehr Strategie, weniger Symbolpolitik?

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In einer Bäckerei in Wien wartet ein junger Mann auf seinen Kaffee, am Nebentisch spricht jemand leise über den neuesten Plan gegen den politischen Islam. Das klingt nach großer Staatspolitik. Im Alltag wirkt es zunächst kleiner: Wer darf mitreden, wer wird kontrolliert, wer soll am Ende etwas leisten? Genau an dieser Stelle setzt das neue Konzept der ÖVP-Akademie an. Neben einer gesamtgesellschaftlichen Strategie soll die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, die IGGÖ, stärker in die Pflicht genommen werden. Das ist politisch anschlussfähig. Aber ökonomisch ist es nur dann klug, wenn man den eigentlichen Schaden mitdenkt: Misstrauen kostet.

Der Kontext ist bekannt, auch wenn er oft verkürzt wird. In Österreich leben laut Statistik Austria rund 745.000 Muslime, also etwa 8 Prozent der Bevölkerung; in Wien ist der Anteil deutlich höher. Das macht das Thema nicht nur zu einer Frage der Sicherheit, sondern auch der Produktivität. Wenn ein relevanter Teil der Bevölkerung ständig unter Generalverdacht steht, wirkt sich das auf Bildung, Jobchancen und damit auf den Arbeitsmarkt aus. Das ist kein moralischer Nebensatz, sondern eine wirtschaftliche Größe. Jede verschwendete Qualifikation ist ein realer Verlust an Fachkräften.

Die richtige Sorge ist nicht aus der Luft gegriffen. Politischer Islam kann demokratische Regeln unter Druck setzen, in Familien, Vereinen oder Online-Räumen. Das ist ein ernstes Problem, vor allem wenn religiöse Autorität benutzt wird, um Abschottung zu fördern oder Frauenrechte kleinzureden. Nur: Wer ausgerechnet die IGGÖ zum Hauptadressaten macht, verengt den Blick. Die Organisation vertritt Gläubige, aber sie kontrolliert nicht jede Moschee, nicht jedes private Netzwerk und nicht jede WhatsApp-Gruppe. Die Vorstellung, man könne über eine Institution ein vielschichtiges gesellschaftliches Milieu sauber durchregieren, ist bequem. Und bequem ist in der Politik oft ein anderes Wort für unvollständig.

Es gibt noch einen blinden Fleck, der selten laut ausgesprochen wird: Strenge Kontrolle kann unbeabsichtigt genau jene stärken, die am Rand stehen und das System ohnehin als feindlich darstellen. Wer alle muslimischen Strukturen nur als potenzielles Sicherheitsrisiko behandelt, riskiert einen Rückzug in Parallelwelten. Das ist auch wirtschaftlich teuer. Ein Betrieb kann sich schlechte Stimmung nicht beliebig lange leisten. Wenn Jugendliche das Gefühl haben, ihre Chancen hängen weniger von Leistung als von Herkunft und Verdacht ab, sinkt die Bindung an Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt. Das Ende ist dann nicht mehr Integration, sondern Frust mit höheren Folgekosten für Staat und Gesellschaft.

Fair ist aber auch die Gegenposition: Der Staat darf nicht zuschauen, wenn religiöser Extremismus die offene Gesellschaft aushöhlt. Eine gemeinsame Strategie, die Prävention, Schulbildung, Sozialarbeit und klare Rechtsdurchsetzung verbindet, ist sinnvoller als symbolische Empörung. Und ja: Die IGGÖ kann und soll mehr Verantwortung übernehmen, etwa bei der Aus- und Fortbildung von religiösem Personal, bei Transparenz und bei klaren Abgrenzungen zu antidemokratischen Positionen. Wer Öffentlichkeit will, muss auch Rechenschaft aushalten. Das ist keine Sonderbehandlung, sondern normal in einer offenen Gesellschaft.

Aber genau hier liegt der entscheidende Punkt: Wenn die Politik das Thema vor allem als kulturellen Konflikt behandelt, verfehlt sie den wirtschaftlichen Kern. Österreich braucht Fachkräfte, Lehrlinge, Gründerinnen und Steuerzahler, keine dauerhafte Verdachtsarchitektur. Der pragmatischste Kampf gegen politischen Islam ist deshalb nicht der lauteste, sondern der präziseste: konsequent gegen Extremismus, offen für alle anderen. Alles andere produziert am Ende mehr Kontrolle, mehr Misstrauen und weniger Wohlstand. Eine Republik, die Talente nur nach Religion sortiert, macht sich am Ende ärmer, nicht sicherer.

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