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Doppelbudget: Wenn der Krieg die Annahmen überholt

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Ein Budget ist immer auch eine Wette auf die Zukunft. Das Doppelbudget 2025/26 wettet unter anderem darauf, dass der Ölpreis heuer sinkt und die Wirtschaft wieder anspringt. Das klingt vernünftig, solange die Welt halbwegs stillhält. Nur tut sie das gerade nicht. Ein Eskalationspfad im Iran reicht schon, um aus einer sauberen Budgetrechnung wieder ein politisches Risiko zu machen.

Der einfache Mechanismus ist bekannt, aber deshalb nicht weniger heikel: Wenn der Ölpreis steigt, werden Transport, Produktion und Energie teurer. Das schlägt auf die Inflation durch, bremst Konsum und Investitionen und kann am Ende auch die Staatseinnahmen schwächen. Für ein kleines, importabhängiges Land wie Österreich ist das besonders unangenehm. Wir importieren fast die gesamte fossile Energie, die wir verbrennen. Wer also im Budget mit fallenden Energiepreisen rechnet, baut nicht nur auf Zahlen, sondern auf geopolitische Disziplin. Ein fragiles Geschäftsmodell.

Die internationale Energieagentur hat jüngst ohnehin kein Bild eines dauerhaft knappen Ölmarkts gezeichnet: In ihrem Oil Market Report vom Mai 2025 erwartet sie für das laufende Jahr ein Überangebot von rund 0,7 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der Hauptgrund, warum viele Prognosen mit eher sinkenden Preisen arbeiten. Aber diese Rechnung enthält einen Haken, der in Tabellen gerne unsichtbar bleibt: Sie setzt voraus, dass kein größerer geopolitischer Schock dazwischenfunkt. Genau dort liegt das Problem mit dem Iran. Schon die bloße Gefahr von Störungen in der Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft, kann die Preise deutlich bewegen, noch bevor tatsächlich ein Fass weniger fließt.

Dass Märkte auf Risiken nicht erst warten, wenn sie eingetreten sind, ist keine neue Erkenntnis. Neu ist nur, wie gern Budgets so tun, als wäre diese Unsicherheit eine Randnotiz. Der IMF hat in seinem World Economic Outlook im April 2025 das globale Wachstum mit 3,3 Prozent für 2025 veranschlagt; zugleich verweist er auf anhaltende Unsicherheit und auf die anfällige Lage bei Energie- und Handelsströmen. Die österreichische Budgetplanung hängt damit an zwei Variablen, die beide gleichzeitig kippen können: Energiepreise und Konjunktur. Genau das ist die unbequeme Pointe. Wenn Öl teurer wird, steigt die Inflation; wenn gleichzeitig das Wachstum schwächer wird, fehlen dem Budget Einnahmen. Dann wird aus einem theoretischen Risiko sehr schnell ein sehr praktisches Defizitproblem.

Die Gegenposition ist nicht absurd. Man kann sagen: Der Konflikt im Iran ist hochriskant, aber nicht automatisch ein Dauerschock. Ölpreise reagieren oft sprunghaft und fallen dann wieder, sobald sich die Lage beruhigt. Außerdem hat der Markt heute mehr Puffer als in früheren Krisen, etwa durch höhere Förderkapazitäten außerhalb des OPEC-Kerns und durch strategische Reserven. Das stimmt. Doch diese Beruhigung ist eher ein Argument gegen Panik als gegen Vorsorge. Wer Budgetpolitik ernst nimmt, darf nicht nur den Basisszenario-Fall durchrechnen, sondern muss auch den unangenehmen Fall mitdenken: weniger Wachstum, höhere Energiepreise, mehr Druck auf die Teuerung.

Genau hier zeigt sich ein blinder Fleck in vielen Budgets: Sie behandeln geopolitische Risiken wie Wetter, also als etwas, das man im Nachhinein kommentiert. Dabei sind sie längst Teil der ökonomischen Grundrechnung. Der Unterschied zwischen einer sauberen Defizitprognose und einem echten Problem ist oft nur ein externer Schock mit Tankerroute, Versicherungsprämie und Börsenreaktion. Das ist unerquicklich, aber real.

Für Österreich folgt daraus eine ziemlich nüchterne, leicht unbequeme Lehre: Ein Budget, das auf günstigere Energie und mehr Wachstum baut, braucht mehr Sicherheitsmargen, nicht weniger. Sonst ist es nicht vorsichtig, sondern optimistisch verkleidet. Oder zugespitzt gesagt: Wer in einer Krisenregion mit ruhigen Ölpreisen rechnet, macht keinen soliden Haushalt, sondern eine Hoffnung mit Zahlenspalten.

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