Ringier wächst trotz Medienkrise: Transformation ja, Entwarnung nein | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Ringier wächst trotz Medienkrise: Transformation ja, Entwarnung nein

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Wenn ein Medienhaus in einem schrumpfenden Markt erneut mehr verdient, klingt das erst einmal wie die perfekte Transformationsgeschichte. Ringier liefert genau diese Erzählung: 2025 wieder Wachstum, wieder Gewinn, wieder der Beweis, dass sich Verlag nicht zwingend nach Abstieg anhören muss. Nur ist die eigentliche Nachricht weniger bequem: Das Geld kommt im Mediengeschäft immer seltener aus Journalismus, immer öfter aus einer Mischung aus Plattformlogik, Stellenportalen, Marktplätzen und datengetriebenen Services. Die Zeitung bleibt sichtbar. Der Renditetreiber sitzt oft woanders.

Das ist kein Zufall, sondern ein Muster. Ringier hat seinen Umbau seit Jahren breit angelegt und sich bewusst vom reinen Verlag hin zu einem Medien- und Technologieunternehmen entwickelt. Genau darin liegt die Stärke: Wer sich nicht nur an Printanzeigen klammert, hat bessere Karten. Aber darin liegt auch der blinde Fleck. Denn je erfolgreicher die Transformation, desto weniger sagt der Gewinn noch über die wirtschaftliche Lage des klassischen Journalismus aus. Ein profitabler Konzern kann zugleich einen Journalismus betreiben, der unter Kostendruck steht. Das ist die angenehme Ironie der Branche: Die Bilanz wird stabiler, die Redaktion bleibt trotzdem auf Diät.

Wer das zu zynisch findet, sollte auf die Grunddaten schauen. Der digitale Werbemarkt wächst zwar, aber nicht gleichmäßig: Ein großer Teil der Erträge wandert zu den großen Plattformen. In der Schweiz wie auch in anderen europäischen Märkten verschiebt sich Wertschöpfung seit Jahren weg von lokalen Medienanbietern. Genau deshalb sind Geschäftsmodelle wie Stellenmärkte, Auto- und Immobilienplattformen oder E-Commerce-nahe Services für Verlage so wichtig. Sie sind oft die stillen Gewinner im Portfolio. Für die Öffentlichkeit ist das kaum sichtbar, für die Konzernrechnung aber entscheidend.

Eine zweite unbequeme Einsicht: Transformation wird in der Medienbranche oft als Innovationsgeschichte erzählt, tatsächlich ist sie häufig eine Abhängigkeitsgeschichte. Je stärker sich ein Haus auf digitale Reichweite, Performance-Werbung und Plattformen stützt, desto mehr muss es sich deren Spielregeln unterwerfen. Reichweite ist dann kein Journalismus-Erfolg mehr, sondern eine Währung mit Preisschwankungen. Das kann kurzfristig sehr profitabel sein. Es macht die Branche aber auch anfälliger für Konjunktur, Traffic-Verluste und Algorithmus-Launen. Ein hübscher Gewinn heute ist daher kein Beweis für morgen.

Fair ist auch die Gegenposition: Ohne solche Umbauten gäbe es bei vielen Häusern längst gar keinen Spielraum mehr für Redaktion, Technologie und Produktentwicklung. Ringier zeigt, dass unternehmerische Anpassung besser ist als nostalgische Selbstverzwergung. Wer in der Medienkrise nur über Verlust von früher spricht, hat den Marktwechsel nicht verstanden. Und ja: Ein Unternehmen muss profitabel sein, sonst ist der Rest bloß fromme Kulturpflege.

Trotzdem bleibt die entscheidende Frage, die in Jubelmeldungen gern untergeht: Was wird eigentlich subventioniert? Wenn nicht der Konzern, sondern der Journalismus im Inneren des Konzerns Quersubventionen braucht, dann sollte man das offen sagen. Transparenz über Ertragsquellen wäre ehrlicher als die übliche Erfolgsgeschichte über digitale Transformation. Denn am Ende ist nicht jeder Gewinn ein Medienerfolg. Manchmal ist er schlicht der Beweis, dass ein Verlag gelernt hat, sein Geld außerhalb des Verlagsgeschäfts zu verdienen. Das ist unternehmerisch klug. Für die öffentliche Debatte über Medienvielfalt ist es weniger beruhigend, als es auf den ersten Blick klingt.

Die unbequeme Konsequenz lautet daher: Wer den Erfolg von Ringier nur an steigenden Gewinnen misst, misst am eigentlichen Problem vorbei. Vielleicht ist die spannendste Frage nicht, warum Ringier 2025 erneut mehr verdient, sondern wie wenig davon noch mit dem Zustand des Journalismus zu tun hat.

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