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Demi Moore in Cannes: Glamour ist auch ein Geschäftsmodell

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Wenn Demi Moore heuer in der Jury des Filmfestivals von Cannes sitzt, ist das natürlich eine elegante Personalie. Aber eben nicht nur das. Cannes ist längst nicht bloß ein Fest der großen Leinwand, sondern ein Markt, auf dem Filme, Stars und Aufmerksamkeit in Geld verwandelt werden. Vom 12. bis 23. Mai wird an der Côte d’Azur wieder sichtbar, wie sehr Kultur und Kapital einander brauchen.

Der ökonomische Kontext ist dabei ziemlich handfest: Das französische Centre national du cinéma et de l’image animée meldete für 2023 einen Kinomarkt mit rund 181 Millionen Eintrittskarten in Frankreich. Gleichzeitig bleibt das Filmgeschäft international hart umkämpft, Streamingdruck inklusive. Ein Festival wie Cannes ist deshalb kein Luxus für Eingeweihte, sondern eine Bühne, auf der Reputation in Vermarktung übersetzt wird. Wer hier auffällt, bekommt später oft bessere Startbedingungen im Kino, bei Verkäufen und bei internationalen Koproduktionen.

Genau darin liegt der Widerspruch. Festivals verkaufen sich gern als Tempel der Kunst, funktionieren wirtschaftlich aber wie sehr exklusive Tauschbörsen: Sichtbarkeit gegen Aufmerksamkeit, Prestige gegen Verwertbarkeit. Die wenigen Minuten auf dem roten Teppich sind nicht bloß PR-Gold für Luxusmarken. Sie sind auch ein Hebel für Verleiher, Produzenten und Rechtehändler. Dass ausgerechnet eine so bekannte Figur wie Moore in der Jury sitzt, ist deshalb kein beiläufiger Glamour-Coup, sondern auch ein Signal an den Markt: Hier werden nicht nur Filme bewertet, hier wird ein Wertmaßstab gesetzt.

Ein zweiter, weniger offensichtlicher Punkt: Solche Besetzungen sind wirtschaftlich oft rationaler, als Kritiker zugeben. Stars bringen mediale Reichweite, und Reichweite ist in einer Branche mit sinkender Aufmerksamkeit harte Währung. Das ist nicht zynisch, sondern realistisch. Wer glaubt, ein Festival könne nur mit reiner cinephiler Expertise funktionieren, unterschätzt, wie teuer Sichtbarkeit geworden ist. Gleichzeitig darf man sich nichts vormachen: Wenn die Bühne immer stärker über Bekanntheit verkauft wird, droht die Jury selbst zur Marketingfläche zu werden. Ein hübscher Kreislauf. Nur leider einer, der den Markt oft besser bedient als die Filme.

Die Gegenposition ist fair: Cannes lebt von Symbolik, und Symbolik hat ihren Preis. Eine Jury mit international bekannten Persönlichkeiten kann verschiedene Generationen und Publika ansprechen. Außerdem braucht ein Festival, das weltweit um Aufmerksamkeit konkurriert, Gesichter, die außerhalb des Feuilletons funktionieren. Das ist nicht verwerflich. Verwerflich wäre nur die Behauptung, dieser Mechanismus sei kulturfern oder bloß oberflächlicher Zierrat. Er ist Teil des Geschäftsmodells.

Genau deshalb ist Demi Moore in der Cannes-Jury mehr als ein schöner Name. Sie steht für einen Festivalbetrieb, der Kunst nicht gegen Wirtschaft ausspielen kann, weil beides längst ineinander greift. Die unbequeme Wahrheit ist: Wer Cannes nur als Glamour-Show abtut, versteht die Branche nicht. Wer es nur als kulturelle Institution verteidigt, will den Markt dahinter nicht sehen. Vielleicht ist das die ehrlichste Lesart dieses Festivals: Nicht der rote Teppich ist das Problem. Problematisch wird es erst, wenn man so tut, als wäre er etwas anderes als ein sehr teures Instrument zur Aufmerksamkeitssteuerung.

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