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Burda schließt TV-Produktion: Wenn der Umbau zur Kürzung wird

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30 Menschen sind in dieser Geschichte nicht bloß eine Zahl, sondern der letzte Rest einer Produktion, die offenbar nicht mehr in das Geschäftsmodell passt. Burda Media schließt die TV-Produktion, 30 verbliebene Mitarbeiter sind vom Stellenabbau betroffen, und die offizielle Begründung lautet: keine Alternative. Das klingt nach Sachzwang. Es klingt aber auch nach einer Organisationsentscheidung, die sich gerne als Naturgesetz verkleidet.

Gerade in Medienhäusern ist das ein bekanntes Muster: Solange Formate Rendite bringen, werden sie als kreative Leistung erzählt. Sobald sie zu teuer, zu klein oder zu unflexibel werden, heißt es plötzlich Strukturwandel. Nur ist Strukturwandel nicht dasselbe wie strategische Bequemlichkeit. Wer eine Produktion schließt, entscheidet nicht nur über Kosten, sondern über Fähigkeiten, interne Abläufe und künftige Optionen. Ein Unternehmen kann Dinge outsourcen, zusammenstreichen oder beenden. Es kann aber auch schlicht verlernen, wie man sie selbst noch kann.

Organisatorisch ist das der eigentliche Punkt. Die Schließung einer TV-Produktion ist selten nur ein Sparakt. Sie ist meist ein Signal an die restliche Firma: Spezialwissen ist verzichtbar, Erfahrung ist nachrangig, und Kontinuität wird nur solange geschätzt, wie sie sich in einer Tabelle gut macht. In der Praxis trifft so etwas oft jene Bereiche, die nicht laut genug profitabel aussehen, aber den Laden stabil halten. Genau diese Einheiten werden in Konzernen gern als weich empfunden, obwohl sie operativ hart arbeiten. Dass ausgerechnet dort gekürzt wird, ist kein Zufall. Es ist häufig der bequemste Weg, das Organigramm schlanker zu zeichnen, ohne an die Folgen zu denken.

Die Folge ist mehr als nur der Verlust von 30 Arbeitsplätzen. Mit jeder abgeschlossenen Produktion gehen Routinen verloren: Ansprechpartner, technische Abläufe, eingespielte Abstimmungen mit externen Dienstleistern, das Wissen, wie man unter Zeitdruck Probleme löst. Solches Wissen steht selten in Handbüchern. Es steckt in Menschen. Und Menschen lassen sich nicht einfach in eine neue Excel-Tabelle kopieren. Die wenig glamouröse Wahrheit lautet: Wer in der Medienbranche Produktion abbaut, spart heute Geld und kauft sich morgen oft teurere Abhängigkeit ein.

Es gibt allerdings eine Gegenposition, die man ernst nehmen muss. Medienhäuser stehen seit Jahren unter Druck: veränderte Werbemärkte, sinkende Erlöse, fragmentierte Nutzung, steigende Produktionskosten. Nicht jede TV-Produktion ist ein Zukunftsmodell. Es wäre naiv, aus Loyalität an jeder Struktur festzuhalten. Auch ein Konzern darf und muss prüfen, was noch trägt. In einem Markt, der sich schneller verändert als manche Redaktionskonferenz, ist Stillstand keine noble Haltung, sondern manchmal nur teures Zögern.

Aber genau hier beginnt die unbequeme Frage: Ist die Schließung wirklich unausweichlich gewesen, oder wurde sie nur als alternativlos dargestellt, weil andere Lösungen organisatorisch aufwendiger wären? Zum Beispiel eine stärkere Verzahnung mit anderen Einheiten, eine klare Spezialisierung auf profitable Formate, eine Kooperation statt Totalaufgabe, oder ein schrittweiser Umbau mit dem Versuch, Kernkompetenzen zu halten. Das sind keine romantischen Wunschzettel. Es sind betriebliche Optionen. Sie sind nur mühsamer als das Wort Schließung.

Ein zweiter, weniger offensichtlicher Punkt: In vielen Medienunternehmen werden erst Strukturen abgebaut und dann externe Leistungen teuer wieder eingekauft. Das ist organisatorisch oft widersinnig, wird aber intern gern als Flexibilität verkauft. Die Firma wirkt dann schlanker, ist aber faktisch abhängiger. Was auf der Bilanzseite wie Disziplin aussieht, kann auf der Prozessebene bloß eine Verlagerung von Kosten und Kontrolle sein. Der eleganteste Umbau ist manchmal nur das freundliche Wort für den Verlust eigener Fähigkeiten.

Für die betroffenen Beschäftigten ist das keine abstrakte Debatte. 30 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz oder müssen sich neu orientieren, oft in einem ohnehin unsicheren Medienmarkt. Für das Unternehmen selbst ist es eine Wette darauf, dass die verbleibenden Strukturen alles besser, billiger und schneller schaffen. Diese Wette geht gelegentlich auf. Oft genug geht sie aber nur so lange gut, bis der erste größere Produktionsdruck kommt. Dann wird aus der gesparten Stelle eine teure Störung.

Burda kann die TV-Produktion schließen. Das ist sein Recht und womöglich betriebswirtschaftlich sauber gerechnet. Aber ein sauber gerechneter Rückzug ist noch keine gute Organisation. Wer Kompetenzen als Kosten behandelt, darf sich später nicht wundern, wenn aus dem Konzern ein reiner Verwalter wird. Die unbequeme Konsequenz lautet deshalb: Nicht jede Schließung ist ein Zeichen von Stärke; manchmal ist sie nur der Moment, in dem ein Unternehmen zugeben muss, dass es den eigenen Betrieb lieber verkleinert, als ihn klug neu zu bauen.

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