Das im Dezember 2023 eröffnete Jugendgefängnis in Wien steht bereits jetzt vor erheblichen Herausforderungen. Nur knapp drei Monate nach dem Beginn des regulären Vollbetriebs ist die Einrichtung deutlich überbelegt. Die Justizwachegewerkschaft kritisiert die Überbelegung und den damit verbundenen Personalmangel scharf und bezeichnet die Situation als „inakzeptabel“.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Kapazität des Gefängnisses von ursprünglich 120 Plätzen bereits um fast 30 % überschritten wurde. Die lange erwartete Einrichtung sollte den Jugendvollzug modernisieren und die Resozialisierung fördern, doch fehlendes qualifiziertes Personal erschwert die Umsetzung dieser Ziele erheblich.
Die Überbelegung in Kombination mit einem unzureichenden Verhältnis von Personal zu Inhaftierten erhöht das Risiko für interne Spannungen, Gewaltvorfälle und erschwert eine angemessene Betreuung der Jugendlichen. Fachbegriffe wie Resozialisierung und Krisenintervention geraten dadurch zunehmend in den Hintergrund.
Die Gewerkschaft fordert daher dringend eine Aufstockung des Personals sowie eine Anpassung der Belegungszahlen, um die Gefahren für Justizwachebeamte und Inhaftierte zu minimieren und den gesetzlichen Anforderungen an den Jugendstrafvollzug gerecht zu werden.
Experten betonen, dass neben der Personaldecke auch strukturelle Maßnahmen notwendig sind, um die Qualität der Betreuung und die Sicherheit zu gewährleisten. Die jetzige Situation widerspricht den grundsätzlichen Prinzipien des Jugendstrafrechts, die auf Erziehung statt Bestrafung setzen.
In der aktuellen Debatte zeigt sich, dass eine nachhaltige Verbesserung des Jugendvollzugs in Wien nur durch koordiniertes Handeln von Justiz, Personalvertretungen und Politik möglich ist.