Regenereratives Design. Das Weltmuseum Wien als Zukunftslabor | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Regenereratives Design. Das Weltmuseum Wien als Zukunftslabor

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Auf Einladung des Weltmuseums Wien entstand in einer Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien die Pop-up-Ausstellung Regeneratives Design. Das Weltmuseum Wien als Zukunftslabor, die das ethnologische Museum als Ort des Forschens und Erfahrens in den Fokus rückt.

Die ab 6. Februar geöffnete Pop-up-Ausstellung unterstreicht einmal mehr das Engagement des Weltmuseums Wien, grundlegende Zukunftsfragen sichtbar zu machen und mitzudiskutieren.

Ausgangspunkt war die Frage, welches Wissen in Museumsobjekten gespeichert ist – nicht als historische Information, sondern als Ausdruck konkreter Beziehungen zwischen Menschen, Natur, Material und Zeit.

Internationale, interdisziplinär arbeitende Studierende des von Harald Gründl geleiteten Designtheoriekurses „Design Revolution Now!“ am Regenerative Design Lab der Angewandten untersuchten ausgewählte Objekte aus der Sammlung des Weltmuseums Wien auf ihre regenerative Beschaffenheit. Regeneratives Design wird in der Pop-up-Ausstellung nicht als Methode zur Entwicklung neuer Produkte verstanden, sondern als Anwendung von Naturprinzipien, die in den Objekten bereits wirksam sind. Dazu zählen die Einbettung in lokale ökologische Kreisläufe, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, langfristige Zeitvorstellungen sowie die enge Verbindung von Gestaltung, Ritual und sozialer Praxis.

Claudia Banz, Direktorin des Weltmuseums Wien, beschreibt diesen Perspektivwechsel so:

Stellen Sie sich das ethnologische Museum nicht als ein statisches Archiv menschlicher Kulturen vor, sondern als ein regeneratives Labor – als einen Ort des Denkens mit der mehr-als-menschlichen Welt. Aus dieser Perspektive sind Sammlungen keine Trophäen der Vergangenheit, sondern materielle Spuren ökologischer Beziehungen.

Vom Objektdenken zum Beziehungsdenken

Die 25 gezeigten Objekte stammen aus unterschiedlichen Weltregionen und Kulturen. Sie verweisen auf Gesellschaften, in denen Gestaltung nicht von Verantwortung gegenüber Umwelt, Ressourcen und Gemeinschaft getrennt ist. Die Pop-up-Ausstellung macht dieses Wissen sichtbar, ohne es zu verallgemeinern oder in zeitgenössische Designstrategien zu übersetzen. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, wie diese Objekte als Träger von Wissen wirken – ein Wissen, das sich durch Gebrauch, Erinnerung und Beziehung aktiviert.

Ein Beispiel dafür ist eine Antilopenmaske aus Burkina Faso. Sie zeigt, dass Natur in den kulturellen Praktiken der Kurumba nicht als etwas Äußeres verstanden wird, sondern als aktiver Bestandteil sozialer und spiritueller Ordnung. Die Antilope steht für Zielgerichtetheit, Beharrlichkeit und Anpassungsfähigkeit; als Maskenwesen verkörpert sie bei Totenfeiern die Präsenz der Ahnen. Gestaltung erscheint hier nicht funktional oder dekorativ, sondern als Mittel zur Stabilisierung von Beziehungen über Generationen hinweg.

Auch eine Kalebasse verweist auf regenerative Prinzipien. Ihre natürliche Form wurde aufgegriffen und kulturell weiterentwickelt: Sie wurde zur Flasche uminterpretiert, mit funktionalen Elementen ergänzt und in alltägliche Nutzung eingebunden. Das gezeigte Objekt steht exemplarisch für ein ko-kreatives Zusammenspiel von Naturform, menschlicher Gestaltung und kultureller Bedeutung.

Die Pop-up-Ausstellung ist in vier thematische Inseln gegliedert, die bewusst gewohnte Sichtweisen auf Wissen, Zeit, den Status von Dingen und ihren Zweck verschieben.

Der kuratorische Ansatz der Pop-up-Ausstellung richtet den Blick nicht auf Erklärung, sondern auf Erfahrung. Die Objekte werden nicht isoliert oder hierarchisch präsentiert, sondern in Beziehungen zueinander gesetzt. Ein Kompass veranschaulicht diesen Perspektivwechsel: Er dient nicht der Orientierung im Raum, sondern lenkt Aufmerksamkeit auf das Lesen und Navigieren von Beziehungen.

In dieser räumlichen und konzeptuellen Anordnung wird Zeit nicht als lineare Geschichte erfahrbar, sondern als geschichtete Präsenz. Die Objekte stehen nicht für eine abgeschlossene Vergangenheit, sondern für fortlaufende Prozesse des Erinnerns, Verortens und Weiterdenkens. Regeneration bedeutet hier keine Rückkehr zu einem Ursprung, sondern die Wiederöffnung von Beziehungen – zwischen Menschen und mehr-als-menschlichen Welten, zwischen Archiv und gelebter Erfahrung, zwischen überliefertem Wissen und zukünftiger Möglichkeit.

Lernen nach vorne: Gestaltung als kulturelle Praxis

Vor dem Hintergrund einer Lebensweise im globalen Norden, die den Bezug zu Natur und generationenübergreifendem Denken vielfach verloren hat, versteht sich die Pop-up-Ausstellung als Impuls zur Neuorientierung. Kurator Harald Gründl fasst die Pop-up-Ausstellungsidee so zusammen:

Die Pop-up-Ausstellung ist eine Inspiration, unsere Konsumkultur radikal neu zu denken: nicht durch die Nachahmung indigener Objekte und Praktiken, sondern durch die Anwendung der dahinterliegenden zukunftsfähigen Prinzipien regenerativer Gestaltung.

Das von Harald Gründl geleitete Regenerative Design Lab der Universität für Angewandte Kunst Wien bildet dafür den pädagogischen Rahmen: als experimenteller Raum, in dem Lehre, Forschung und künstlerische Praxis ineinandergreifen. Ergänzt wird das Projekt durch Beiträge der Transformationspsychologin Irina Nalis, des Umweltanwalts Thomas Wallentin sowie von Mariella Greil vom Angewandte Performance Lab.

Die Pop-up-Ausstellung wurde kuratiert von Claudia Banz (Weltmuseum Wien) und Harald Gründl (Universität für Angewandte Kunst Wien) in Kooperation mit Christian Schicklgruber (Weltmuseum Wien) und Studierenden des Regenerative Design Labs an der Universität für Angewandte Kunst Wien: Stina Berger, Kathamrita Chakravorti, Oulin Chen, Alfred Cyranka, Yang Hao, Zhu Hui, Lukas Liszka, Lena Lojić, Elias Milcic, Yuko Okuda, Elene Pichkhadze, Marietheres Reichegger, Dunja Savić, Pascal Stütz, Danbi Sung, Nico Toya, Margherita Wirnspberger.

Zur Pop-up-Ausstellung erscheint eine Publikation auf Englisch im Eigenverlag der Universität für Angewandte Kunst Wien, herausgegeben von Harald Gründl und erhältlich im Museumsshop.

Im Rahmenprogramm:

Di, 17. März, 18:30 Uhr
Führung durch die Pop-up-Ausstellung und Präsentation
Gemeinsam mit den Studierenden des Regenerative Design Labs an der Universität für Angewandte Kunst Wien

https://www.weltmuseumwien.at/ausstellungen/regenerative-design/

Zu dieser Pop-up-Ausstellung wird es keinen gesonderten Pressetermin geben.

Pressetext und Bildmaterial stehen auf dem Presseportal des Weltmuseums Wien zum Download bereit.

Regeneratives Design
Das Weltmuseum Wien als Zukunftslabor
Ausstellungsdauer: 6. Februar bis Juni 2026
Ort: Weltmuseum Wien, Heldenplatz, 1010 Wien

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