Schöner Essen. Amboss Design & Tischkultur 1950–1970 | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Schöner Essen. Amboss Design & Tischkultur 1950–1970

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Ab 28. September 2022 zeigt das Möbelmuseum Wien die Ausstellung „Schöner Essen. Amboss Design & Tischkultur 1950–1970“. Vor dem atmosphärischen Hintergrund der Ess-, Alltags- und Wohnkultur der 1950er bis 1970er Jahre erzählt die Ausstellung die Geschichte des österreichischen Besteckerzeugers Neuzeughammer Ambosswerk im Steyrtal.

Anja Hasenlechner, Leiterin Abteilung Historische Sammlungen, Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft: „Was wäre unsere und die vergangene Alltagskultur ohne all die kleinen Designobjekte, die unser Leben Tag für Tag begleiten. In Hinblick auf diese Bedeutung und auch in Erinnerung an die Zeit der Wirtschaftswunderjahre, als die gehobene Tischkultur begann, sich allmählich in mittelständischen Schichten ihren verdienten Platz zu sichern, widmet sich das Möbelmuseum Wien mit der Ausstellung „Schöner Essen. Amboss Design & Tischkultur 1950–1970“ einem Stück österreichischer Kulturgeschichte, die es wieder zu entdecken gilt. Das zum Synonym der Fifties mutierte bunte Lilien-Porzellan-Service „Daisy“ ist weitreichend bekannt – die Amboss-Bestecke hingegen gilt es in der Schau noch zu entdecken.“

Klaus Panholzer, Geschäftsführer Schönbrunn Group: „Kochen und Essen waren bedeutende Themen im Alltag der Wirtschaftswunderjahre. Im Zentrum der privaten Geselligkeit stand das gemütliche Zusammensein am reich gedeckten Esstisch. Mit dem steigenden Wohlstand wurde der schön gedeckte Tisch immer wichtiger und modernes Design rückte in das Blickfeld breiter Gesellschaftsschichten. Die in der Ausstellung präsentierten Bestecke vom Neuzeughammer Ambosswerk zeigen diese Entwicklung auf beispielhafte Weise.“

War das Ambosswerk in den 1930er und 1940er-Jahren als Produzent konventioneller Essbestecke und Taschenmesser sowie als Klingen-Zulieferbetrieb für weitere Besteckerzeuger bekannt, so entwickelte sich das Unternehmen ab den 1950er Jahren vom handwerklich geprägten Messer- und Stahlwarenerzeuger hin zum industriellen Produzenten von modernen Bestecken und Küchenutensilien aus rostfreiem Stahl. Die breite Produktpalette der Firma Neuzeughammer Ambosswerk reichte von Messern und Bestecken über Fondue-Sets und Eierspeisepfannen bis zu Salzstreuern und Flaschenöffnern. In der Ausstellung zu sehen sind von Designern wie Carl Auböck, Helmut Alder oder János Megyik für die Firma Amboss entworfene Produkte für den modernen Haushalt, die mit zahlreichen Preisen, sowohl für das Produkt- als auch das Verpackungsdesign, ausgezeichnet wurden.

In der Ausstellung wird das umfangreiche Wirken der Firma Amboss in all seinen Facetten präsentiert. Neben den Produkten wird ein spezieller Fokus auf die prägnante Corporate Identity der Marke Amboss gerichtet. Das Logo in Form eines stilisierten Ambosses diente bis in die 1970er Jahre als prägnante Bildmarke. Die Farben Rot und Schwarz dominierten sowohl das Verpackungsdesign als auch die Werbeauftritte. Zum Erfolg des Markenauftritts trug wesentlich dessen grafische Gestaltung bei. Trotz mehrerer grafischer Überarbeitungen in den 1950er und 1960er Jahren blieb der Wiedererkennungswert der Marke Amboss eindeutig erhalten. Die visuelle Positionierung erfolgte durch das Bildlogo des Ambosses, der von den geometrischen Figuren Kreis und Quadrat umrahmt wurde. Die quadratische Form entwickelte sich zum Charakteristikum des Firmenauftritts. So diente das Quadrat beispielsweise als Grundform für die meisten Verpackungen.

Marlene Ott-Wodni, Ausstellungskuratorin: „Das Neuzeughammer Ambosswerk legte ab den 1950er Jahren höchsten Wert auf die Qualität des Materials, die Qualität der Produktverarbeitung, auf die Form der Produkte, auf die Funktionalität und Gestaltung der Verpackung sowie auf einen eingängigen Markenauftritt mit einer prägnanten Corporate Identity. Nahezu visionär beschränkte man sich bereits damals bei der Firma Amboss auf natürliche und nachhaltige Verpackungsmaterialien. So waren die Bestecke entweder in Fichtenholzkisten mit Lederschnürung oder in Kartonverpackungen erhältlich. Käsebretter und -messer etwa waren in Jutesäckchen mit gedrucktem Amboss-Logo und rotweißem Bändchen gehüllt.“

Die Kartonverpackungen beschränkten sich oftmals nicht nur auf die herkömmliche Kombination von Schachtel und Deckel, sondern setzten sich aus zylindrischen Behältnissen oder aufwendig inszenierten Faltschachteln zusammen. Verantwortlich für diese originellen Verpackungen zeichnete der österreichische Grafiker Hans Schaumberger. In den 1960er Jahren wurden seine Amboss-Verpackungen unter anderem insgesamt elf Mal mit dem Österreichischen Staatspreis für vorbildliche Verpackung ausgezeichnet. Eine Auswahl davon wird in der Ausstellung präsentiert.

In den frühen 1950er Jahren, als der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg begann, änderten sich auch die Ess- und Ernährungsgewohnheiten der Österreicher:innen. Die Lust am Kochen stieg und somit auch die Freude an der Ästhetik des Essens und des Tischdeckens. „Schöner Essen“ war nun kein Eliten-Thema mehr, sondern wurde auch für den Mittelstand relevant und erschwinglich. In diesem Kontext ist der Aufstieg des im Steyrtal ansässigen Besteckerzeugers Neuzeughammer Ambosswerk zu beobachten.

Das gemütliche Zusammensein am reich und schön gedeckten Esstisch stand nach Jahren der Not im Zentrum der privaten Geselligkeit. Die nach Designentwürfen gefertigten modernen Essbestecke von Amboss fügten sich harmonisch in die Ästhetik der neuen Tischkultur der Wirtschaftswunderjahre ein, die maßgeblich von skandinavischen Designern und Produzenten geprägt wurde.

Eva B. Ottillinger, Ausstellungskuratorin: „Den modernen, ästhetischen und funktional hochwertigen Produkten für den Tisch stand ein traditionelles und konservativ geprägtes Familienbild mit der Frau als Hausfrau und Mutter gegenüber. Die Küchenarbeit wurde der Hausfrau durch moderne Küchenmöbel, neue Küchengeräte und Fertigprodukte – laut Werbesujets – spielend leichtgemacht. Erst ab den 1970er Jahren wurde diese Rollenbild langsam aufgebrochen, was sich auch im Küchendesign und in der Aufhebung der Trennung von Wohnraum und Küche wiederspiegelte.“

Seit den 1950er Jahren produzierte das Neuzeughammer Ambosswerk zu großen Teilen für den ausländischen Markt. Ein wichtiger Vertriebspartner für das Neuzeughammer Ambosswerk in den USA war die Firma Arthur Salm Inc. Der wachsende Verkauf der von Amboss hergestellten Bestecke und Tafelgeräte durch die Firma Arthur Salm Inc. trug zum internationalen Erfolg des oberösterreichischen Besteckherstellers maßgeblich bei.

1963 begann Amboss die Zusammenarbeit mit dem deutschen Porzellan-, Glas- und Keramikhersteller Rosenthal, der das oberösterreichische Werk 1969 komplett übernahm. Die Produkte aus dem Amboss-Sortiment wurden am Standort Neuzeug weiterhin hergestellt. 1976 entschied sich die Rosenthal AG die Besteckproduktion aus Oberösterreich abzuziehen und nach Bayern zu verlegen. In Folge dessen wurde das Ambosswerk in Neuzeug geschlossen.

Die Ausstellung macht anhand des breit gefächerten Produktkosmos von Amboss nicht nur eine historische Wiederentdeckung möglich, sondern zeigt auch auf, wie erfolgreich zeitgenössische Generationen beim Unterfangen sind, das gestalterische Erbe des traditionsreichen „Hauses Amboss“ in die Gegenwart zu transformieren, es weiterzudenken und ihm neue Gestalt zu verleihen. Schon seit einigen Jahren bringt das Designduo Lucy.D gemeinsam mit Beate Seckauer unter dem Label „NEU/ZEUG Porzellan- und Lampenmanufaktur“ in der ehemaligen Produktionsstätte des Neuzeughammer Ambosswerkes Objekte erneut zum Leuchten. Zu sehen ist in der Ausstellung eine Installation ihrer Porzellanleuchten.

Tipp: Dass die Ästhetik der Tischkultur bereits zu Zeiten der Habsburgermonarchie eine großen Stellenwert innehatte, zeigt die Ausstellung „Kaiserliche Tafelschätze“, die noch bis zum 1. November 2022 auf Schloss Hof und Schloss Niederweiden zu sehen ist. Die Schau entführt in die funkelnde Welt der höfischen Tafelkultur und wirft einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Hofküchen. 

Ausstellungsort:
Möbelmuseum Wien
Andreasgasse 7, 1070 Wien
www.moebelmuseumwien.at  

Ausstellungsdauer:

  • 28. September 2022 bis 16. April 2023

Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr

Kuratorinnen:

  • Marlene Ott-Wodni, Eva B. Ottillinger

Idee zur Ausstellung Amboss Design:

  • Beatrice Alder, Heinz J. Averwerser, Thomas Abendroth

Ausstellungsarchitektur:

  • Thomas Abendroth

Grafische Gestaltung:

  • Gerda Wimmer : grafik-design

Projekt im Rahmen der Vienna Design Week:

  • NEU/ZEUG Design – Barbara Ambrosz + Karin Santorso / Lucy.D und Beate Seckauer / Neuzeughammer Keramik

Katalog:

„Schöner Essen. Amboss Design & Tischkultur 1950–1970“, Herausgeberinnen: Marlene Ott-Wodni und Eva B. Ottillinger, Czernin Verlag, Wien 2022, ISBN 978-3-7076-0771-0, im Museumsshop um € 29,00 erhältlich

Begleitprogramm:

Details zum vielseitigen Begleitprogramm unter www.moebelmuseumwien.at

Eintritt:

Erwachsene € 11,50 / Studierende (19–25 Jahre) € 10,50 / Senior:innen (60+) € 10,50 / Kinder (6–18 Jahre) € 7,50. Familien (2 Erwachsene + max. 3 Kinder) € 30,50. Aufpreis Führung: Erwachsene € 4,00; Kinder € 2,00. Tickets auch online unter www.imperialtickets.com erwerbbar.

Nähere Informationen und Reservierung sowie Anreisemöglichkeiten und aktuelle Covid-19-Sicherheitsrichtlinien unter +43 1 524 33 57, info@moebelmuseumwien.at und www.moebelmuseumwien.at

Weiterführende Informationen und ausgewähltes Bildmaterial finden Sie unter www.schoenbrunn-group.com/presse. Das Bildmaterial steht zur honorarfreien Veröffentlichung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung zur Verfügung.

Die Schönbrunn Group vereint unter ihrem Dach die meistbesuchten Attraktionen und Angebote des imperialen Erbes Österreichs: das Schloss Schönbrunn, das Möbelmuseum Wien, das Sisi Museum, die Kaiserappartements und die Silberkammer in der Wiener Hofburg sowie Schloss Hof und Schloss Niederweiden. Die Schönbrunn Group ist mit der Erhaltung und Revitalisierung der anvertrauten Kulturgüter sowie der Gestaltung neuer Kulturvermittlungsformate und Entwicklung neuer Geschäftsfelder betraut. Die dafür notwendigen Mittel werden zur Gänze aus selbst erwirtschafteten Erlösen aufgebracht. Zentrale Aufgabe und Passion sind, die Menschen für das imperiale Erbe und die Welt der Habsburger zu begeistern, ob direkt vor Ort an den Standorten der Schönbrunn Group oder begleitend über das digitale Angebot. Die Standorte der Schönbrunn Group sind führende Tourismusdestinationen sowie beliebte Freizeitziele und Naherholungsgebiete.

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