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GLOBAL 2000-Analyse: Verkaufszahlen von gefährlichen Pestiziden in Österreich steigend

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Die EU-Pestizidverordnung schreibt seit 2011 vor, besonders gefährliche, als „Substitutionskandidaten“ eingestufte Pestizide nach Möglichkeit durch weniger gefährliche Alternativen zu ersetzen. Dennoch ist der Verkauf von (zwei Drittel der) besonders gefährlichen Pestizide in Österreich seit Inkrafttreten der Verordnung gestiegen. Das ergab eine von GLOBAL 2000 durchgeführte Analyse der seit 2011 jährlich erfassten Verkaufsmengen von 37 aktuell in Österreich zugelassenen Pestizidwirkstoffen, die von der EU-Kommission als Substitutionskandidaten eingestuft wurden. Im selben Zeitraum stieg auch der Anteil österreichischer Äpfel, die mit diesen besonders gefährlichen Pestiziden belastet sind, von anfänglich 10 bis 20 Prozent auf mittlerweile 40 bis 60 Prozent, wie eine vom europäischen Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN Europe durchgeführte Auswertung zeigte.

„Diese unerfreulichen Zahlen machen das kolossale Versagen Österreichs und der EU bei der Verringerung der Risiken und der Abhängigkeit von Pestiziden deutlich. Doch während die Europäische Kommission aus ihren Fehlern lernt und verbindliche Reduktionsziele für alle Mitgliedsstaaten vorschlägt, hat sich Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig inmitten einer Gruppe von zehn überwiegend osteuropäischen Kolleg:innen eingemauert, die den Plänen der Kommission argwöhnisch bis feindselig gegenüberstehen", kritisiert GLOBAL 2000-Pestizidexperte Helmut Burtscher-Schaden.

Am Montag hatte Österreich im EU-Agrarministerrat ein weiteres Mal in einem sogenannten  Non Paper die EU-Pestizidreduktionsziele kritisiert und die Forderung nach einer weiteren Folgenabschätzung bekräftigt, da aktuelle Folgenabschätzungen die Auswirkungen des Ukrainekrieges auf die weltweite Ernährungssicherheit und die daraus resultierenden Bedrohungen für die Europäische Union nicht in Betracht ziehen würden. Mitgetragen wird diese Forderung von Ungarn, der Slowakei, Bulgarien, Estland, Litauen, Malta, Polen, Rumänien, und Slowenien.

Damit stellt sich Landwirtschaftsminister Totschnig mit seinen Kolleg:innen klar gegen einen breiten wissenschaftlichen Konsens: Über 600 führende Wissenschaftler:innen hatten im März 2022 in einem Offenen Brief betont, dass Europa „jetzt mehr denn je“ eine Transformation des Lebensmittelsystems, wie von der Kommission vorgeschlagen, braucht. Politische Versuche, im Windschatten der Ukrainekrise die Nachhaltigkeitsziele der EU-Kommission – einschließlich der Reduzierung von Pestizide – aufzugeben, würden uns nicht vor der aktuellen Krise schützen, sondern diese eher verschlimmern und dauerhaft machen.

Vor diesem Hintergrund erinnert GLOBAL 2000 daran, dass die von der EU-Kommission im Rahmen des Green Deal angestrebte Ökologisierung der Landwirtschaft primär auf den Schutz der menschlichen Gesundheit und auf die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt abzielt. Gesundheitsminister Johannes Rauch und Umweltministerin Leonore Gewessler müssen deshalb endlich dafür sorgen, dass die österreichische Position in Brüssel zu dieser für alle Bürger:innen entscheidenden Zukunftsfrage nicht ohne Abstimmung mit ihren Ressorts entschieden werden kann.

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