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Schönborn-Medienempfang im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine

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Wien (KAP) – Im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine ist am Mittwochabend der Medienempfang von Kardinal Christoph Schönborn gestanden. Der schon über 100 Tage lang andauernde Krieg in der Ukraine, die nur 400 Kilometer von Österreich beginne, sei „sinnlos und wahnwitzig“, unterstrich der Wiener Erzbischof in seinen Eröffnungsworten vor den mehreren hundert Anwesenden im Wiener Erzbischöflichen Palais. Solidarität und Engagement für die von den Kriegshandlungen und seinen Konsequenzen Betroffenen seien auch weiter dringend gefragt.

Schönborn rief zu einer Haltung der Dankbarkeit auf, welche zum Umgang mit Herausforderungen und Schwierigkeiten vonnöten sei. Viele in Österreich hätten sich angesichts von mehr als 75 Jahren Friede schon an diesen gewohnt und würden diesen als „Naturgegebenheit“ sehen. Dennoch gelte: „Nichts ist selbstverständlich“, so der Wiener Erzbischof, der an diesem Abend auch in seiner Funktion als Ordinarius der katholischen Ostkirchen auftrat.

Zwangsvertreibung und Solidarität

Ostkirchen-Generalvikar Yurij Kolasa gab einen Überblick über die aktuelle Situation in der Ukraine und über die Hilfsmaßnahmen für die Menschen vor Ort und die Geflüchteten in Österreich. „Wir erleben eine in der Geschichte unserer Zeit noch nie dagewesene Zwangsvertreibung von Millionen von Menschen“, so Kolasa. In den letzten 100 Tagen hätten etwa 6,7 Millionen Kriegsvertriebene im Ausland, vorwiegend in Polen, Zuflucht gefunden. 2,3 Millionen seien auch wieder in die Ukraine zurückgekehrt. Darüber hinaus seien neun Millionen Binnenflüchtlinge in den Westen der Ukraine geflohen.

In Österreich seien bereits 75.000 Kriegsvertriebene offiziell registriert. Davon seien 70 Prozent Frauen und Kinder. Nachsatz: „Und täglich kommen weitere hinzu.“ Von den bis zu 75.000 Ukrainern im Land hätten nur 55.000 Personen einen Antrag auf Grundversorgung gestellt und Sozialleistungen in Anspruch genommen. „Die übrigen 20.000 sorgen für ihren eigenen Lebensunterhalt, haben eine Wohnung privat angemietet, und warten auf eine stabilere Lage in der Ukraine, um so bald wie möglich zu ihrem normalen Leben zurückzukehren.“ Offiziell hätten bereits 5.000 eine Arbeitsbewilligung erhalten und 7.000 seien vorgemerkt.

Seit Kriegsausbruch hätten sich die Mitglieder der ukrainischen Gemeinde in Österreich als Freiwillige engagiert, um Hilfsgüter, Lebensmittel, Medikamente und Geldspenden für die vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine zu sammeln und sich in vielfältiger Weise um die Flüchtlingsfamilien zu kümmern. Hunderte Tonnen von Hilfsgütern seien bereits von den ukrainischen Gemeinden in die Ukraine befördert.

Er wolle zugleich auch allen Österreicherinnen und Österreichern für ihr starkes Zeichen der Solidarität, des Mitgefühls und der Verbundenheit seinen herzlichsten Dank aussprechen, so der ukrainische Generalvikar. Leider betreffe dieser Krieg nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte Welt. „Als europäische Gemeinschaft können wir nicht die Not unserer Nachbarn ignorieren oder aufs Spiel setzten. In kompromissloser Solidarität mit der Ukraine zu stehen bedeute, kompromisslos für die Menschenwürde einzutreten“, so Kolasa wörtlich.

Caritas: Hilfen weiter nötig

Katharina Renner, Leiterin der Ukraine-Hilfe der Pfarr-Caritas der Erzdiözese Wien, gab einen Überblick über die bisherigen Caritas-Hilfsmaßnahmen. 150 Tonnen Hilfsmittel seien bisher in 11 Transporten und fünf Minivans in die Westukraine gerollt, kleinere Hilfslieferungen auch in die von den Kriegshandlungen direkt betroffenen Ostukraine. „15,7 Millionen Menschen sind derzeit auf Hilfe angewiesen. Sie brauchen Nahrung, Wasser, Kleidung, Informationen und medizinische Betreuung“, so Renner, die auch Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich ist. Der Einsatz für die Caritas vor Ort sei gefährlich und habe mehreren Kollegen bereits das Leben gekostet.

Auch auf die Hilfe für die derzeit 75.000 aus der Ukraine Geflüchteten in Österreich ging die Caritas-Expertin ein. „Ohne den Einsatz der Zivilbevölkerung wäre die Versorgung kaum möglich“, so Renner. Drei Arten von Spenden seien momentan besonders gefragt:
„Wohnraumspenden, Sachspenden und Geldspenden – vor allem aber eine Willkommenshaltung von uns für die Menschen, die ankommen und es nicht leicht haben.“ Geflüchtete bräuchten auch die Möglichkeit, zusammenzukommen, sich zu treffen – „und besonders Kinder, wieder zur Ruhe zu kommen“.

Musikalisch gestaltet wurde der Medienempfang von einem ukrainischen Streichquartett mit der aus Lwiw stammenden, an der Wiener Staatsoper wirkenden Mezzosopranistin Sorjana Kuschpler. Die Andreaskapelle des Erzbischöflichen Palais war für Gebete für die Ukraine geöffnet und ein Büchlein als Gastgeschenk erinnerte an eine enge Verbindung zwischen der Ukraine und Österreich: Kardinal Theodor Innitzer war in den 1930er-Jahren die einzige internationale Persönlichkeit, die gegen den damaligen Holodomor-Genozid an den Ukrainern aufmerksam machte und Hilfskomitees für die Betroffenen gründete. Die Spenden des Abends gingen an die Ukrainehilfe der Caritas vor Ort und in Österreich.

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