TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Es trifft nicht alle gleich hart", von Liane Pircher | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Es trifft nicht alle gleich hart“, von Liane Pircher

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Innsbruck (OTS) – Bereits vor der Pandemie war die Halbierung der Zahl armutsgefährdeter Menschen das Ziel der Regierung. Und jetzt?

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) kündigt ein weiteres Entlastungspaket an und richtet den Österreichern aus, dass wir aufgrund der importierten Inflation alle ärmer werden. So weit der aktuelle Stand. Ersteres lässt hoffen, Zweiteres überrascht nicht wirklich, schließlich hat man aus Deutschland solche Sätze bereits von dem dortigen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gehört. Wenn man aber schon beim Stichwort „ärmer werden“ ankommt, sollte man offen darüber reden, dass dies nicht für alle Bürger dasselbe heißt. Während es für die einen bedeutet, im Supermarkt nicht mehr zum preishöheren Bio- oder Premium-Produkt greifen zu können, heißt es für andere, erstmals im Leben den Weg zum Sozialmarkt nehmen zu müssen, weil jegliche Lebensmittel im „normalen“ Supermarkt unleistbar werden. In diesem Zusammenhang sollte man die Bundesregierung daran erinnern, dass sie sich in ihrem Abkommen die Halbierung der Zahl armutsgefährdeter Menschen in Öster­reich zum Ziel gesetzt hat – in dieser Legislaturperiode. Das war vor der Pandemie und dem Ukraine-Krieg.
Bereits ohne Krisen waren laut Statistik Austria 2019 rund 1,472.000 Menschen in Österreich armutsgefährdet, 200.000 „erheblich materiell depriviert“, also arm. Davon betroffen: jedes vierte Kind. Und jetzt? Laut Wifo kann das untere Drittel der Haushalte laufende Ausgaben trotz Einkommen nicht abdecken und muss auf Erspartes zurückgreifen. Die Reallöhne sinken. Heißt: Auch wer arbeitet, kann armutsgefährdet sein, vor allem Alleinerzieher oder Eltern mit mehreren Kindern. Die Preissteigerungen bei Wohnen und Essen sind zu dramatisch, der Verlust an Kaufkraft für die breite Masse ist zu hoch. Es muss mehr getan werden, damit aus der Teuerungswelle keine Armutswelle wird.

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