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Nachrichten aus dem brasilianischen Tirol

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Wien/Tirol (OTS) – „Da haben wir schon gestaunt, wie die Schuhplattler drauf sind, so eine tolle Truppe haben wir gar nicht“, erinnert sich Wildschönaus Bürgermeister Hannes Eder an einen der letzten Besuche aus seiner fernen Partnergemeinde. Da werden praktisch Urtiroler Traditionen wieder in die alte Heimat zurückgebracht. Von Nachfahren jener österreichischen Auswanderer, die einst im weit entfernten Brasilien das Dorf Dreizehnlinden, Treze Tílias, gegründet haben. Dort werden bis heute Tiroler Dialekt, Brauchtum und Architektur hochgehalten – trotz so mancher Schwierigkeiten.

Einen kleinen Einblick in Geschichte und heutiges Leben in Dreizehnlinden gab es beim jüngsten Clubabend des in Wien ansässigen Businessclub Club Tirol. Via Zoom zugeschaltet konnte Clubpräsident Julian Hadschieff erstmals „Tiroler Freunde in 10.000 Kilometer Entfernung auf einem anderen Kontinent begrüßen.“ Vier Persönlichkeiten aus Dreizehnlinden sowie der Wildschönauer Bürgermeister stellten sich bei diesem virtuellen „Austauschtreffen“ den Fragen von Organisatorin und Moderatorin Victoria Spötl über Historisches wie Aktuelles.

Auswanderer

Tiroler und Vorarlberger zählten zum Kern jener Emigranten, die 1933 unter Leitung des früheren, aus der Wildschönau stammenden österreichischen Landwirtschaftsminister Andreas Thaler im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina einen Flecken Erde urbar gemacht hatten. Not, Hunger, mangelnde Perspektiven und vor allem der fehlende Landbesitz vieler junger Bauern hatte die Idee zur Auswanderung reifen lassen. „Es wurde nach einem geeigneten Ort in Südamerika Ausschau gehalten, in Paraguay, Argentinien, Chile, letztlich fiel die Entscheidung für Brasilien“, erzählte Werner Thaler, Urenkel des Dreizehnlinden-Gründers Andreas Thaler, aus seiner Familiengeschichte. Der auserkorene, abgeschieden Siedlungsplatz im Landesinneren liegt auf 840 Meter Höhe, ist nicht von Hitze geplagt, die Landschaft „ähnelt ein bisschen“ jener in Tirol und im Winter gibt es sogar etwas Schnee. Genau richtig für die „Gebirgsbewohner“ aus Übersee.

„Wir Kinder sind tirolerisch aufgewachsen, kaum jemand sprach damals Portugiesisch“, erinnerte sich Hotelier und begnadeter Schnitzer Konrad Moser zurück. Über Jahrzehnte lebten die Menschen in Dreizehnlinden in eher kargen Verhältnissen. Erst mit dem Straßenausbau und vor allem der Gründung der landesweit bekannten Tirol-Molkerei in den 1970er-Jahren kam der wirtschaftliche Aufschwung. Heute sind eine Reihe von Industriebetrieben in der Region angesiedelt. Zu Beginn der 90er-Jahre stieg Dreizehnlinden mit seinen aktuell rund 8.000 Einwohnern zu einem der beliebtesten Touristenorte Brasiliens auf. Tiroler Essen, bei Tiroler Abenden zelebriertes Brauchtum und Musik sowie speziell die alpine, tirolerische Architektur im Ort begeistern die Brasilianer. „Wir leben stark vom Bustourismus, Corona hat das jetzt aber gerade etwas eingeschränkt“, so Moser, der das Schnitzhandwerk in Oberammergau erlernt hat.

Doppel-Staatsbürger

„Ich spüre bei vielen, dass sie nicht so genau wissen, wo sie hingehören, ob sie Brasilianer oder Österreicher sind, sie wollen von allem das Beste“, schilderte Claudia Grander-Barbieri, erfolgreiche Unternehmerin und österreichische Honorarkonsulin in Dreizehnlinden, über die Einstellung der jungen Generation im Ort. Einwohner von Dreizehnlinden können beide Staatsbürgerschaften annehmen, was viele Junge weiter nützen, denn „sie sind schon stolz auf ihre Wurzeln.“ So fällt es auch leichter, etwa für Ausbildungszwecke nach Österreich zu kommen. Allerdings bleibt so mancher nach dem Studium oder der Lehre mitunter in der Heimat der Ahnen dauerhaft hängen.

Einer, der es jüngst umgekehrt gemacht hat, ist Markus Astner. Der „Liebe wegen“ ist der Wildschönauer 2012 nach Dreizehnlinden ausgewandert. Zuvor hatte der Musiker bei einer Tournee mit einer Tiroler Blasmusikgruppe durch Brasilien in Dreizehnlinden seine jetzige Frau kennengelernt: „Sie hat Schnaps ausgeschenkt und ich hab sie zum Konzert eingeladen.“ Nach gut einem Jahr „Fernbeziehung“ folgte Astner der Einladung aus Dreizehnlinden, dort eine Zeit lang als Musiklehrer und Kapellmeister zu arbeiten. Und entschied sich schließlich, ganz zu bleiben: „Ich habe es bis heute nicht bereut.“ Astner konstatiert, dass das Interesse der jungen Dreizehnlindener an der deutschen Sprache sowie generell an Österreich – dort zu studieren oder zu arbeiten – durchaus vorhanden ist. Auch wenn „ich bei den Musikproben Portugiesisch rede, denn sonst verstehen mich nicht alle.“

Spracherhalt

Mit dem Spracherhalt sei es heute nicht ganz so einfach, meint Bildhauer Werner Thaler, der einst die Schnitzschule im Tiroler Elbigenalp besucht hat. Brasilien sei ein sehr aufgeschlossenes Land, hier leben Nachkommen von Einwanderern aus zahlreichen europäischen Ländern, die „Kulturen vermischen sich daher.“ Der Einfluss der Medien wie auch der durch die vielen Industriebetriebe hervorgerufene starke Zuzug an Menschen machen es nicht mehr selbstverständlich, dass „es in jeder Familie jemanden gibt, der Deutsch spricht.“ Es gibt in Dreizehnlinden zwar nach wie vor eine deutsche Schule, aber das „alleine ist halt auch nicht ausreichend.“ Es gelte daher, das Interesse der eigenen Nachkommen etwa mit Reisen nach Österreich aufrecht zu halten. Und Infos von dort lassen sich in der digitalen Welt bequem einholen: „Ich selbst schaue regelmäßig Tirol heute oder höre die Ö1-Radiojournale.“

Mit gegenseitigen Besuchen und vielen persönlichen Kontakten pflegt auch die Gemeinde Wildschönau die seit etwa 20 Jahren bestehende offizielle Partnerschaft mit Dreizehnlinden möglichst gut am Leben zu erhalten. Vor allem über die Familien der damaligen Auswanderer, so Bürgermeister Eder, gibt es „einen sehr regen Austausch.“ Und wer weiß: Der nun entstandene Kontakt zwischen dem Club Tirol, den in Wien lebenden „Auslands-TirolerInnen“ und jenen in Dreizehnlinden, soll auf ausdrücklichen Wunsch beider Seiten aufrecht bleiben – und mit einem vielleicht persönlichen Treffen im Sommer weiter intensiviert werden.

Unter den Teilnehmer des virtuellen Meetings wurden gesehen:

Club Tirol Präsident Julian Hadschieff, Vizepräsidentin Renate Danler, die Vorstandsmitglieder Charlotte Sengthaler (e&k public relations), Peter Kunz (Kunz Wallentin RAE), Herbert Rieser (cafe+co). BM a.D. Sonja Stiegelbauer, Nationalratsabgeordneter Hermann Gahr, Kulturbeauftragte der Österreichischen Botschaft in Brasilia die Tirolerin Helga Franca, Elisabeth Marschang (BMEIA), Gabi Pröll (Hagelversicherung), Martin Reiter (Tiroler Versicherung), Eva Kostenzer (Darbo AG), Erich Benischek (Blaue Lagune), Wolfgang Meixner (Vermessungsbüro Meixner), Harald Preyer (Hosting the Future), Peter Payer (Wirtschaftsanwalt), Isabella Fischer (BMI) Katrin Brugger ( Sport Blachfelder), Martin Trenkwalder (Austrosoft Weiss) Joseph Miedl (Hutchinson Drei Austria) uvm.

Über den CLUB TIROL

Rund 40.000 TirolerInnen leben in Wien und Umgebung. Seit mehr als zwölf Jahren bietet ihnen der CLUB TIROL ein politisch unabhängiges Business-Netzwerk. Jährlich veranstaltet der CLUB TIROL für seine mittlerweile mehr als 550 Mitglieder zahlreiche Veranstaltungen zu Themen aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Aktueller Vorstand des CLUB TIROL ist Präsident Julian Hadschieff, Vorstandsvorsitzender PremiQaMed Group und Humanocare-Eigentümer, Vizepräsidentin Unternehmensberaterin Renate Danler, Renate Danler Consulting, Peter Kunz, Kunz Wallentin RAE GmbH, Barbara Kolm, Vizepräsidentin der Österr. Nationalbank, Präsidentin des Hayek-Instituts und Direktorin des Austria Economics Center, Kommunikations-Beraterin Charlotte Sengthaler, Stefan Kirchebner, Chef der Garde, Personalberaterin Martina Scheiber HR-SCOPE, Key Account Manager bei café+co und Organisator der Wirtschaftswanderung Herbert Rieser und Bastian Sieberer, RBI und Vertreter der Young Leaders.

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