„kulturMontag“ am 17. Mai: Grand Opening der Kultur, Beutekunst des Kolonialismus, afrikanische Kunst im Trend | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

„kulturMontag“ am 17. Mai: Grand Opening der Kultur, Beutekunst des Kolonialismus, afrikanische Kunst im Trend

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Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am 17. Mai 2021 um 22.30 Uhr in ORF 2 widmet sich u. a. der bevorstehenden Wiedereröffnung des Kulturbetriebs und befasst sich mit afrikanischer Kunst. So geht es um das Thema Restitution von Kulturgütern als Beutekunst des Kolonialimus, aber anlässlich neuer Ausstellungen in Salzburg auch um den Hype um zeitgenössische afrikanische Kunst. Anschließend steht das neue Porträt „Fliegen Lernen – Senta Berger“ (23.15 Uhr) zum 80. Geburtstag der Charakterschauspielerin auf dem Programm.

Zwischen Freudentaumel und Fracksausen – Grand Opening der Kultur

Dem 19. Mai fiebert ganz Österreich entgegen – endlich kann sich auch das Kulturkarussell wieder drehen. Ob zu den Salzburger Pfingstfestspielen, in die Oper oder ins Kino – nicht nur die Kulturbranche, auch das Publikum kann die Wiedereröffnung kaum erwarten. Kein Wunder, war doch der Kulturgenuss allen fast ein Jahr lang verwehrt. Die Bühnen des Landes, die Kino- und Konzertbetreiber sind zurückhaltend, aber optimistisch. Für alle Schauplätze wurden von den Verantwortlichen klare Präventionskonzepte erarbeitet, um die Sicherheit der Besucher/innen zu garantieren. Die drei „Gs“ werden in der Kulturszene großgeschrieben. „Getestet, genesen oder geimpft“ heißt die Zauberformel. Doch in die Vorfreude mischt sich auch ein finanzielles Fracksausen, sowohl bei den großen Institutionen als auch bei den Freien und den Vereinen. Können kleine Ensembles mit all den Auflagen überleben? Und wird das Publikum auch kommen?

Unbequeme Wahrheiten – Die Beutekunst des Kolonialismus

Einen historischen Schritt setzten vor Kurzem die deutschen Museen, wollen sie doch nächstes Jahr erste Kunstschätze der als Raubgut geltenden Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Die Debatte der vergangenen Jahre über die Rückerstattung von Kulturgut ist alt, denn die Forderungen der gerade unabhängig gewordenen afrikanischen Länder existieren bereits seit den 1960er Jahren. Die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy engagiert sich seit Jahren für dieses Thema. In ihren neuen Büchern „Afrikas Kampf um seine Kunst“ und „Beute“ erzählt sie von einem halben Jahrhundert des Wartens, Scheiterns und Taktierens. Gemeinsam mit dem senegalesischen Sozialwissenschafter Felwine Sarr hatte die in Berlin und Paris lehrende Professorin 2018 dem französischen Präsidenten Macron einen Bericht vorgelegt, der die Diskussion um Restitutionen international anheizte. Kommt mit der geplanten Rückgabe der Benin-Bronzen endlich Bewegung in die Geschichte? Wie analysieren Expertinnen und Experten die Entwicklung, welche Haltung nehmen die Verantwortlichen der Museen ein? Bénédicte Savoy ist live im Gespräch mit Clarissa Stadler.

Wie rassistisch ist unsere Welt? – Das Erbe des westlichen Kolonialismus

Bis vor rund zehn Jahren galt Afrika für die westliche Kunstwelt als dunkler Kontinent. Dann ging es Schlag auf Schlag. 2013 verlieh die Biennale von Venedig den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon dem Debütanten Angola, machte zwei Jahre später Okwui Enwezor zum künstlerischen Leiter der 56. Biennale und verlieh dem ghanaischen Künstler El Anatsui den Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk. Bedeutende Museen sprangen auf diesen Trend auf und begannen zeitgenössische Kunst aus Afrika zu kaufen. Auf die zunehmende kuratorische Beachtung reagierte auch der Markt. Der westlich zentrierte Blick der Kunstwelt beginnt immer mehr aufzubrechen. Museen und Institutionen entdecken die Diversität, auch viele westliche Galerien haben afrikanische Künstler/innen in ihr Programm aufgenommen. Das hat zu einem Hype um afrikanische Kunst geführt. Im Museum der Moderne in Salzburg will man in zwei Ausstellungen – auf dem Mönchsberg und im Rupertinum – nicht nur rassistische Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster in unserer Gesellschaft reflektieren, sondern auch selbst die „weiße Brille“ abnehmen.

„Fliegen Lernen – Senta Berger“ (23.15 Uhr)

Sie sei der Inbegriff vollkommener Weiblichkeit, sagte Erika Pluhar über ihre einstige Mitschülerin aus Reinhardt-Seminar-Tagen. Und tatsächlich: Senta Berger hat zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere das jeweils propagierte Frauenbild perfekt verkörpert: vom süßen erotischen Versprechen in den frühen1960er Jahren und der sexy Femme fatale über die sich ruppig im Alltag behauptende Taxifahrerin Gerdi in den späten Achtzigern, bis hin zu sinnlich-reifer Selbstbestimmtheit.
Blutjung, mit 15 Jahren, stieg das Mädchen aus dem Wiener Gemeindebau zum „Hot Shot“ in Hollywood auf, drehte mit Kirk Douglas, Frank Sinatra, Richard Widmark oder Yul Brynner. Doch bald emanzipierte sie sich vom US-Studiosystem, in dem sie in erster Linie ein Produkt war, und trat als Produzentin mit ihrer gemeinsam mit Ehemann Michael Verhoeven gegründeten Filmfirma in Erscheinung. Ihren beruflichen Schwerpunkt verlagerte sie auf Italien und Frankreich.
Als sie 1974 als Buhlschaft an den Salzburger Domplatz engagiert wurde, galt ihr das als Heimkehr in die deutsche Sprache. Spätestens seit ihrer Rolle als Mona in Helmut Dietls Gesellschaftssatire „Kir Royal“ wurde der Weltstar zu Publikumsliebling im deutschen Sprachraum. Fast 20 Jahre lang verkörperte Senta Berger die Kriminalrätin Dr. Eva Maria in der Fernsehserie „Unter Verdacht“. Lange bevor es zum Allgemeinwissen gehörte, was ein Hashtag ist und was mit #MeToo gemeint ist, thematisierte sie sexuelle Übergriffe in ihrem Beruf. Trotz aller beruflichen Erfolge hat sie die Bodenhaftung nie verloren – Senta Berger blieb sich stets bewusst, wo ihre Wurzeln liegen. Lange „fremdelte“ sie in ihrer Wahlheimat München, träumt sich heute noch manchmal bei Spaziergängen entlang der Isar nach Wien zurück. Den Wiener Schmäh setzte sie bei der Erziehung ihrer beiden Söhne Simon und Luca Verhoeven ein und hat ihn bis heute nicht verloren. Beide sind längst selbst im Filmgeschäft erfolgreich und kommen in dem Geburtstagsporträt von Lars Friedrich und Angelika Kellhammer ebenso zu Wort wie u. a. Senta Bergers langjährige Film-und Fernseh-Partner Mario Adorf und Friedrich von Thun.

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