Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 31. Mai 2020. Von Floo Weißmann. "Aufruhr in Amerika". | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 31. Mai 2020. Von Floo Weißmann. „Aufruhr in Amerika“.

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Innsbruck (OTS) – In den Protesten geht es nicht allein um den Fall Floyd. Es hat sich viel aufgestaut, und Präsident Trump trägt seinen Teil dazu bei.

Auf den ersten Blick hängen die Corona-Krise, die Proteste gegen die Polizeibrutalität und der US-Wahlkampf nicht direkt zusammen. Dennoch gibt es eine Verbindung – nämlich Rassismus und soziale Ungleichheit als offene Wunden der amerikanischen Gesellschaft.
Die Pandemie hat Schwarze stärker getroffen als andere Amerikaner. Studien dazu werden noch folgen, doch eine Erklärung drängt sich auf:
Afroamerikaner sind im Schnitt ärmer. Das bedeutet weniger Bildung, schlechtere Gesundheitsversorgung, häufigere Vorerkrankungen und Jobs, die man nicht ins Home-Office verlegen kann.
Das Sterben des Schwarzen George Floyd unter dem Knie eines weißen Polizisten, dokumentiert durch das verstörende Handyvideo einer Passantin, illustriert die Benachteiligung von Schwarzen durch Sicherheitsbehörden und Justiz. Der Hintergrund ist derselbe:
struktureller Rassismus als spätes Erbe der Sklaverei ebenso wie Alltagsrassismus durch oft unbewusste Vorurteile und Ängste.
Der Streit über die politischen Antworten beschäftigt die USA seit Jahrzehnten. Derzeit regiert mit Donald Trump ein Präsident, der von Spaltung und Konflikt lebt und selbst immer wieder durch rassistische Botschaften aufgefallen ist. Sein Wahlsieg war auch eine Antwort auf den ersten schwarzen Staatschef Barack Obama. Dessen Präsidentschaft hatte bei vielen Weißen die unbewussten Ängste vor dem Verlust ihrer Vormachtstellung und den Umbruch der alten Ordnung verstärkt.
In Minneapolis steht der knieende Polizist nun unter Anklage. Doch die Proteste gehen weiter, weil es eben nicht allein um diesen Fall geht. Es hat sich viel aufgestaut in den USA, und Trump trägt weiter seinen Teil dazu bei. Selbst, wenn er die Wahl im Herbst verliert, bleibt das Erbe der Sklaverei eine Herausforderung für Generationen.

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