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Verde Wien: Faire Voraussetzungen für die Matura sind nicht gegeben

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Wien (OTS) – Der österreichische Bildungsminister Heinz Faßmann verkündete am 23. März 2020 in einem öffentlichen Brief an alle Maturant*innen den vorgesehenen Ablauf der Zentralmatura. Vor den schriftlichen Klausuren, die ab dem 19. Mai angesetzt sind, solle es zwei Wochen Unterricht geben, in denen alle offenen Schularbeiten nachgeholt werden sollen. Die VWA-und Diplomarbeitspräsentationen entfallen, mündliche Prüfungen sollen wie gehabt stattfinden. Auf diese Aussendung folgte ein Aufschrei von Seiten der Maturant*innen. Viele von ihnen fühlen sich vom Bildungsministerium bei der Prüfungsvorbereitung nicht ausreichend unterstützt. „Durch die jetzigen Umstände wären wir klar im Nachteil“, sagt Sofija (17).

Seit dem 16. März verläuft der Unterricht an allen österreichischen Schulen digital. Lehrpersonen kommunizieren mit ihren Klassen über Online-Plattformen, diese dienen ebenfalls als Abgabeort für Arbeitsaufträge. Die Basis für erfolgreiches Lernen in Pandemiezeiten sind also eine zuverlässige technische Ausstattung, die von den Schüler*innen mehrere Stunden pro Tag genutzt werden kann, sowie eine verlässliche Internetverbindung. Doch nicht in allen Familien haben Jugendliche Zugang zu diesen Ressourcen. Alexander (18) meint: „Ich empfinde die momentane Regelung eher als strapazierend, da viele Schüler*innen in diversen Fächern mit dem Heimlernen nicht den erwünschten Lernerfolg erzielen.“

Neben EDV-Equipment braucht es jedoch weitaus mehr, um sich effizient auf die Matura vorbereiten zu können. In vielen Haushalten fehlt ein Ort, an dem Maturant*innen in Ruhe lernen können. Auch die Beaufsichtigung von jüngeren Geschwistern und die Pflege von Familienangehörigen können zur Verantwortung von Jugendlichen werden, da Betreuungsangebote entfallen. Während einige die unterrichtsfreie Zeit nutzen, um sich intensiv auf die Matura vorzubereiten, fehlen anderen diese Möglichkeiten. „Bereits existierende Ungleichheiten der schulischen Erfolgen von Schüler*innen, welche oftmals auf den sozioökonomischen Status ihrer Familien zurückzuführen sind, werden durch die COVID-19-Krise deutlich verstärkt”, betont Oliver Schmidt, Landesvorsitzender von Verde Wien.

Die psychische Belastung der Jugendlichen ist weitaus höher als in vorherigen Jahren. Abgesehen von dem Druck, den die Reifeprüfung darstellt, haben Schüler*innen mit Sorgen wegen COVID-19 zu kämpfen. Zwei Wochen Vorbereitungszeit für die Matura, wie sie von Bildungsminister Heinz Faßmann vorgeschlagen wurden, sind zu kurz, um für den entfallenen Präsenzunterricht von März bis April zu kompensieren. Es ist unrealistisch, alle offenen Schularbeiten in diesem Zeitraum abzuhalten, während die Schüler*innen bereits für die Abschlussprüfungen lernen sollten. Unter diesen Voraussetzungen sind keine fairen Bedingungen für alle Maturant*innen gegeben.

Diese außergewöhnliche Situation verlangt eine außergewöhnliche Lösung. „Wir fordern, dass die Noten der Maturafächer sich durch die Leistung in der Abschlussklasse ergeben. Wenn Schüler*innen ihre Noten im Maturazeugnis verbessern möchten, sollen sie die Möglichkeit zu freiwilligen Prüfungen haben. So können faire Voraussetzungen für den Schulabschluss 2020 gewährleistet werden”, so Oliver Schmidt.

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