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„Ordensfrauen sind Prophetinnen der Gegenwart“

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Vöcklabruck/Wien (OTS) – Sr. Franziska Bruckner als Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz und Sr. Beatrix Mayrhofer SSND als ehemalige Vorsitzende der Frauenorden Österreich begrüßten am 17. Februar 2020 gemeinsam die rund 60 höhere Oberinnen der österreichischen Frauenorden im Bildungshaus St. Klara. „Am Gedenktag der sieben heiligen Gründer des Servitenordens und ein paar Tage nach der Veröffentlichung des Dokumentes ‚Querida Amazonia‘ stehen die Vorzeichen gut für eine spannende Tagung“, meinte einleitend Sr. Beatrix.

Der Studientag wurde von der Leiterin der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission, Dr. Anja Appel, begleitet. Appel machte als erstes aufmerksam dafür, wie groß und umfangreich eigentlich dieses Gebiet mit über neun Nationen und 7,5 Mio. Quadratmetern sei. Die Intention der Synode von Papst Franziskus skizzierte Appel mit: „die Peripherie ins Zentrum holen.“ Orden hätten dabei eine zentrale Rolle, so Appel, denn ohne Ordensleute würde es viele Dienste und Angebote in Amazonien nicht geben. Appel machte dabei auf die letzte „weltkirche.tagung“ im Stift Lambach mit der Missionsärztlichen Schwester Birgit Weiler, die auch offiziell als Synodenbeobachterin teilgenommen hat, bzw. auf die Abschnitte in den Synodendokumenten über Ordensleute aufmerksam.

Inkulturation

Um das Anliegen des Papstes zu verstehen, bedarf es einer „pastoralen Umkehr“, die an den Begriff „Inkulturation“ geknüpft sei, und damit um Wertschätzung für „das was ist“. Zyklisches Denken, die enge Verbindung mit der Erde – dem Land auf dem Indigene leben -sowie die Dorfgemeinschaft sind zentrale Aspekte, die mitberücksichtigt werden müssen bei einer Pastoral für Indigene.

Extreme Landflucht und der Drang in die Großstadt zu ziehen, angeheizt durch westliche Bilder vom glücklichen Leben, wie auch der rasche Zuwachs an evangelikalen Gemeinden mache notwendig eine „andere Präsenz vor Ort“ für die Katholische Kirche in Amazonien zu entwickeln. Kirche habe bei so viel Vielfalt Auftrag ein Ort zu sein, bei dem man „ankommen könne“, so Appel.

Die Katholische Kirche solle ein Zuhause für alle sein wollen. In einer ersten Austauschrunde zeigten sich die höheren Oberinnen, wie Generaloberin oder Provinzoberin, der österreichischen Frauenorden zuerst enttäuscht, wie in Medien das nachsynodale Schreiben „Querida Amazonien“ aufgenommen wurde.

„Verschwindet Amazonien, Verschwindet die Menschheit“

Die Studientagsleiterin Anja Appel machte im zweiten Teil des Studientages auf das empfindliche Biotop Amazonien aufmerksam. Mit Bischof Erwin Kräutler gesprochen: „Verschwinden die Indigenen, verschwindet der Regenwald. Verschwindet der Regenwald, verschwindet die Menschheit.“ Appel bezeichnete Amazonien als Brennglas für alle Konflikte auf der Welt, die um Ressourcen für die Zukunft geführt werden. Positiv gewendet: „Wir haben noch einen Kairos (richtigen Zeitpunkt), um etwas zu verändern“. Appel regte an eine „ökologische Sünde“ zu definieren, bzw. einen Weltfonds für Indigene einzurichten.

Zum aktuellen Thema des nachsynodalen Schreibens „Querida Amazonia“ äußerte sich Appel prinzipiell positiv. „Der Papst macht weder das eine oder das andere. Ich empfehle allen es einmal zu lesen. Es heißt nicht, ob er das Schlussdokument der Synode approbiert oder nicht approbiert, wir wissen es einfach nicht. Er lässt es so stehen, wie es ist. Er weiß, dass es viele Widerstände gibt, und daher muss es synodal weitergehen“, so Appel. Im Grunde sage er: „Macht weiter, ich entscheide das heute nicht.“ Die einen sagten als Reaktion hierauf, das sei eine Enttäuschung, die anderen sähen es hingegen als Motivation, selbst etwas zu verändern.

Die Reaktionen der höheren Oberinnen zu „Querida Amazonia“ fielen unterschiedlich aus. So Sr. Beatrix: „Es ist kein Schreiben, wie man es von Rom gewohnt war, bis ins vierte Kapitel ein durchwegs literarisch schöner Text. Das hat mich sehr verwundert und auch neugierig gemacht. Ein überraschender Text bis zu dem Punkt im vierten Kapitel, von dem auch ich enttäuscht war.“

Prophetinnen der Gegenwart

Sr. Franziska Madl OP, Priorin der Dominikanerinnen in Wien erinnerte an die prophetische Dimension des Ordenslebens. Die Verkündigung durch den Engel Gabriel an Maria gleiche einer alttestamentlichen Prophetenerzählung, genauso wie Maria Magdalena nichts anderes sei als eine Prophetin. Madl wörtlich: „Und immer wenn man mir mit einer süßlichen Maria kommt, dann frag ich mich immer:
habt´s ihr die einmal angeschaut? Prophetin sein ist nicht lustig!“

Am zweiten Tag wurde mit Anja Appel über „transformative Spiritualität“ nachgedacht, einer Spiritualität, die motiviere und helfe, die notwendige ökologische ganzheitliche Veränderung mitzutragen. In der Diskussion wurde die Frage immer lauter, was jede Gemeinschaft konkret dazu beitragen könne. Die Müllproblematik in Spitälern, als auch die eigenen Initiativen etwas in der eigenen Gemeinschaft, wie auch als weltweit vernetzter Orden verändern zu wollen, wurden besprochen. Der Papst habe keine klaren Entscheidungen gefällt, was bedeute, dass man selbst Entscheidungen und Konsequenzen treffen müsse. Hören, was zu tun sei, was für das Leben anderer notwendig sei, sei gelebte Nächstenliebe. Die OrdensgründerInnen erkannten je in ihrer Zeit die Not und haben daraufhin gehandelt. Der #einfache Lebensstil in Gemeinschaft und Solidarität von Ordensleuten sei dafür ein prophetischer Lebensstil.

Alles ist miteinander verbunden

Die Diskussion zeigte viele Quellen auf, wie Ordensfrauen sich für eine „transformative Spiritualität“ einsetzen können. Schließlich brachte Sr. Hemma Jaschke SSpS den Vorschlag ein, sich solidarisch mit einem Video zum bedrohten Gebiet Tena in Ecuador zu erklären. Dort sei der Lebensraum durch geplante Goldminen bedroht, wie ihr eine Mitschwester von dort in einer Audiobotschaft am Abend zuvor berichtete. [Die höheren Oberinnen der Frauenorden Österreichs stimmten die heimliche Hymne der Amazoniensynode „Tudo esta interligado – alles ist miteinander verbunden“ von Pe Cireneu Khun an.] (https://youtu.be/ml3PsYc0eHA)

Ordensfrauen und Ordensmänner wachsen zusammen

Zum Abschluss kam der Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz Erzabt Korbinian Birnbacher aus Salzburg zur Studientagung hinzu und betonte die Wichtigkeit des Zusammenwachsens von Ordensfrauen und Ordensmänner in der gemeinsamen Ordenskonferenz. „Ich bin nicht euer Obergockel, aber ich werde immer mit euch krähen“, versicherte der neue Vorsitzende zu den höheren Oberinnen der österreichischen Frauenorden. Der Abschluss der Studientagung wurde mit einem gemeinsamen Gottesdienst und dem Dank an die Vorsitzenden der jeweiligen Regionalkonferenz begangen.

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Die Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz Sr. Franziska Bruckner bedankt sich bei der ehemaligen Präsidentin der Frauenorden Sr. Beatrix Mayrhofer. (c) Martin Gsellmann

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„Verschwinden die Indigenen, verschwindet der Regenwald!“ zitiert die Studientagsleiterin Anja Appel Bischof Erwin Kräutler. (c) Martin Gsellmann

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