Greenpeace: Die Klimakonferenz der Schande endet mit völlig unzureichendem Minimalkompromiss | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Greenpeace: Die Klimakonferenz der Schande endet mit völlig unzureichendem Minimalkompromiss

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Wien/Madrid (OTS) – Erneut sind progressive Schritte auf der 25. Weltklimakonferenz den Interessen der fossilen Lobbies und der Großkonzerne zum Opfer gefallen, die ein multilaterales Abkommen zur Bewältigung der Klimakrise als Bedrohung ihrer Gewinnmargen sehen. Der moralische Appell der Jugend und wissenschaftliche Fakten verhallten ungehört oder wurden ignoriert. Stattdessen kämpften die PolitikerInnen um die Errichtung eines zwielichtigen Kohlenstoff-Schwarzmarkts im sogenannten „Artikel 6“, der die Rechte indigener Bevölkerungen weltweit bedroht und die Natur mit einem Preisschild versehen möchte. Die Politik hat sich erneut nicht dazu verpflichtet, die Zusagen zu Emmissionssenkungen an den Stand der Wissenschaft anzupassen. Es wurde ein schwammiger Text beschlossen, der zwar die Notwendigkeit des Handelns betont, aber die Staaten nicht verbindlich dazu auffordert. Die Politik muss nun bis zum Frühjahr 2020 beweisen, dass sie die existenzielle Bedrohung der Klimakrise versteht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss die EU-Kommission eine klare Verschärfung ihres Klimaplans vorlegen, damit sie vor Inkrafttreten des Pariser Abkommens noch beschlossen werden kann.

“Diese Klimakonferenz hatte sich selbst auf die Fahnen geschrieben, die bislang völlig unzureichenden Ambitionen der Welt, an die Bedrohung der globalen Klimakrise anzupassen. Daran ist sie gescheitert. Es ist eine Schande: Während Millionen junger Menschen auf den Straßen der Welt um unser aller Zukunft kämpfen, wurde hinter verschlossenen Türen um Rückschritte statt Fortschritte gefeilscht und wurde diese Zukunft den Interessen der Öl- und Gaslobby zum Frass vorgeworfen. Zumindest die überhastete Etablierung eines zwielichtigen CO2-Schwarzmarkts im berüchtigten Article 6 wurde vorübergehend abgewendet, wird jedoch schon im nächsten Jahr wieder eine reale Bedrohung für die Erreichung der Klimaziele darstellen,” kommentiert Adam Pawloff, Klimaexperte von Greenpeace, der die COP25 vor Ort als Beobachter begleitet hat, das Geschehen.

Der schleppende Prozess und das schwache Ergebnis dieser bislang längsten Weltklimakonferenz senden ein fatales Signal. Allen voran sabotierten die großen Verhinderer Brasilien, Japan, Saudi Arabien und die USA mit ihrem Bemühen um niedrige Ambitionen und schwache Verpflichtungen den Prozess bis zur letzten Minute am Sonntag. Die zentralen Forderungen der Wissenschaft blieben dabei auf der Strecke:
Eine Erhöhung der Emissionsreduktionsziele, die dringend nötig ist, um das Paris 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, sowie eine klare Verantwortung der Industriestaaten in den sogenannten „Loss and Damage“, finanziell ihre historische Verantwortung für die Klimakrise zu übernehmen. Dabei geht es um die Unterstützung jener Staaten, die unwiederbringliche Schäden erleiden, wie etwa kleine Inselstaaten durch den Meeresspiegelanstieg.

“Diese COP wird als die bislang längste Weltklimakonferenz in die Geschichte eingehen, sie wird aber vor allem auch als eine der enttäuschendsten einen traurigen Platz in den Geschichtsbüchern erhalten. Der unüberhörbare moralische Appell einer ganzen Generation wurde heute von den Mächtigen der Welt ignoriert. Eine lebenswerte Zukunft für uns alle wurde zur Verhandlungsmasse zwischen Konzerninteressen und politischen Machtfantasien alter, weißer Männer degradiert,” so Pawloff. Es braucht jetzt umgehend ein Umdenken in den Hallen der Macht. Die nächste Klimakonferenz in Glasgow, im November 2020, ist die allerletzte Chance, diesen Weg der Zerstörung und des Bremsens zu verlassen. Allen voran muss die Europäische Union ihrer Verantwortung als ambitionierter Vorreiter endlich gerecht werden und ein neues Klimaziel von minus 65 Prozent klimaschädlicher Treibhausgase bis zum Jahr 2030, im Vergleich zu 1990, beschließen. Das kann sie nur, wenn auch die Mitgliedsstaaten – so auch Österreich – sie mit einem starken Mandat versehen, indem sie ihre eigenen Klimapläne verbessern und endlich den Anforderungen der Klimawissenschaft gerecht werden.

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