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Creditreform KMU-Umfrage Österreich, Herbst 2019

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Wien (OTS) – Creditreform hat im Rahmen seiner Wirtschaftsforschung im Herbst 2019 an die 1.500 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt.

Dass die Konjunktur in Österreich in den letzten Monaten weiter an Fahrt verloren hat, belegt auch das Creditreform Klimabarometer, das im Herbst 2019 mit einem Ergebnis von plus 17,9 Punkten 7,6 Zähler unter dem Vorjahreswert liegt (Vorjahr: plus 25,5 Punkte). Entgegen dem allgemeinen Trend konnte das Baugewerbe in den letzten Monaten zulegen: Hier erhöhte sich der Index um 3,4 Zähler und erreichte mit plus 33,5 Punkten das mit Abstand beste Ergebnis im Branchenvergleich (Vorjahr: plus 30,1 Punkte). In den übrigen Wirtschaftsbereichen gab das Klimabarometer hingegen nach. Den deutlichsten Abschwung verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe mit einem Minus von 17,9 Zählern (plus 12,7 Punkte; Vorjahr: plus 30,6 Punkte). Die Grafik belegt die nachlassende Konjunkturdynamik, die sich im Herbst dieses Jahres fortgesetzt hat. Auch für die nächsten Monate erwarten die befragten mittelständischen Unternehmen keine Umkehr der derzeitigen Entwicklung.

Das Creditreform Klimabarometer basiert auf einer Umfrage unter circa 1.500 mittelständischen Betrieben in Österreich. Der Index setzt sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage allgemein. Dabei fließen in die Gesamtbewertung des Konjunkturklimas sowohl die Äußerungen zur aktuellen Lage als auch zur zukünftigen Entwicklung ein. Aus den positiven und negativen Antworten werden jeweils Salden gebildet, die wiederum die Berechnungsgrundlage für den Gesamtindex bilden. Das Klimabarometer zielt in erster Linie auf die Stimmung im Mittelstand ab.

Geschäftslage weiterhin positiv

Der Geschäftslageindex des österreichischen Mittelstandes hat im Vergleichszeitraum um 7,5 Zähler nachgegeben und erzielte im Herbst 2019 einen Wert von plus 20,4 Punkten (Vorjahr: plus 27,9 Punkte). „Klassenprimus“ ist die Baubranche, die als einzige ihren Index verbessern konnte. Dieser erreichte dank 2,0 Zählern mehr einen Wert von plus 35,6 Punkten (Vorjahr: plus 33,6 Punkte) und liegt damit einsam an der Spitze. Aufgrund eines Minus von 16,1 Zählern gab der Geschäftslageindex des Verarbeitenden Gewerbes am deutlichsten nach (plus 16,7 Punkte; Vorjahr: plus 32,8 Punkte). Den niedrigsten Index aller vier Hauptwirtschaftsbereiche hatte der Handel mit plus 15,8 Punkten nach einem Rückgang um 7,3 Zähler (Vorjahr: plus 23,1 Punkte)

Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen gab im Jahresverlauf ordentlich nach und landete nach drei Jahren im positiven Bereich im Herbst 2019 erstmals wieder unter der Nulllinie (minus 0,7 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 18,4 Prozentpunkte).

Auftragsentwicklung ist rückläufig

Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen gab im Jahresverlauf ordentlich nach und landete nach drei Jahren im positiven Bereich im Herbst 2019 erstmals wieder unter der Nulllinie (minus 0,7 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 18,4 Prozentpunkte).

So meldeten im Herbst dieses Jahres 22,4 Prozent der befragten Mittelständler (Vorjahr: 33,3 Prozent) vollere Auftragsbücher und 23,1 Prozent (Vorjahr: 14,9 Prozent) ein geringeres Aufragsaufkommen. Die meisten Auftragseingänge verzeichnete die Bauwirtschaft – hier hatte jeder dritte Betrieb ein Auftragsplus (plus 34,1 Prozent; Vorjahr: 35,4 Prozent) und nur jeder neunte (11,0 Prozent; Vorjahr:
13,4 Prozent) ein Auftragsminus. Der Auftragssaldo der Baubranche erzielte mit plus 23,1 Prozentpunkten (Vorjahr: plus 22,0 Prozentpunkte) den absoluten Spitzenwert und die Bauwirtschaft konnte als einzige ihr Vorjahresergebnis verbessern. In allen anderen Wirtschaftsgruppen gaben die Indizes nach und liegen – im Gegensatz zum Herbst 2018 – im negativen Bereich. Dramatisch verschlechterte sich die Auftragslage im Vergleichszeitraum beim Verarbeitenden Gewerbe. Hatte diese Branche mit plus 30,2 Prozentpunkten im letzten Herbst noch den besten Auftragssaldo, so markiert das aktuelle Ergebnis in Höhe von minus 7,4 Prozentpunkten den niedrigsten Wert aller Wirtschaftsgruppen.

Seit vier Jahren wieder ein negativer Ausblick auf die Auftragsentwicklung

Hinsichtlich ihrer künftigen Auftragslage zeigen sich die mittelständischen Betriebe derzeit weniger zuversichtlich als noch vor einem Jahr. Betrug der Erwartungssaldo vor einem Jahr noch plus 13,0 Prozentpunkte, so sind es im Herbst 2019 nur noch minus 1,9 Prozentpunkte.

Derzeit rechnen 16,8 Prozent der Befragten (Vorjahr: 23,0 Prozent) mit Auftragssteigerungen und 18,7 Prozent (Vorjahr: 10,0 Prozent) mit Auftragsrückgängen. Erzielten alle Wirtschaftsgruppen im letzten Herbst positive Erwartungssalden, so hat aktuell lediglich der Saldo der Dienstleistungsbranche ein positives Vorzeichen (plus 3,1 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 18,9 Punkte). Besonders gedämpft ist derzeit die Stimmung beim Handel, der mit einem Ergebnis von minus 5,1 Prozentpunkten (Vorjahr: plus 10,6 Punkte) den niedrigsten Erwartungssaldo erreichte.

Conclusio: Verunsicherung nimmt zu

Im Herbst 2018 wies das Creditreform Klimabarometer als Gradmesser für die Wirtschaftslage und –stimmung der österreichischen KMU die besten Werte seit 2007/2008 aus. Nun hat sich seit diesem Frühjahr die Lage gedreht. Die Geschäftslage ist generell nach wie vor positiv, aber die Erwartungshaltungen für die kommenden Monate sind gedämpft. Die Gründe dafür sind vielfach: der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet die Weltwirtschaft und damit die Chancen der heimischen Exporteure; der nun absehbare BREXIT und die anscheinend ratlose EZB mit ihrer prolongierten Nullzinspolitik bei gleichzeitig steigender Verschuldung der Haushalte und Unternehmen. International hat das Verschuldensniveau jenes vom Krisenjahr 2008 längst übertroffen. Dazu kommen die Unsicherheiten, welche Maßnahmen nun die Politik zur Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele tatsächlich treffen wird, Stichwort CO²-Steuer. Letztlich wird immer mehr klar, was die digitale Disruption für Folgen zeigen kann. Ganze Branchen und Lebenswelten verschwinden oder müssen einen Weg der Anpassung finden und das schneller als je zuvor. Mal schauen, was kommt und wie es die anderen machen, spielt es nicht mehr. All das drückt auf die Zuversicht und macht die Unternehmen vorsichtiger.

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