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Peter Handke und der Literatur-Nobelpreis

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Wien / Graz (OTS) – Die Kritik an Peter Handke hat längst den Boden vertretbarer Auseinandersetzungen unter den Füßen verloren, sie besteht fast nur noch aus Hass, Missgunst, Unterstellungen, Verzerrungen und ähnlichem mehr, sie ist zu einer Anti-Handke-Propaganda verkommen, der jedes Mittel Recht ist, um gegen Peter Handke Recht zu behalten. Hämisch wurde die vom Suhrkamp Verlag veröffentlichte Richtigstellung der zumeist falsch wiedergegebenen Äußerungen Handkes quittiert.

Nun gehen auch Qualitätsmedien soweit, die Berechtigung Handkes zur österreichischen Staatsbürgerschaft anzuzweifeln. Eine „Amtsauskunft“ – auf welcher Rechtsgrundlage eigentlich? – über Peter Handke wurde eingeholt und der Artikel legt insgesamt nahe, Handke könnte auch ausgebürgert werden. Man will offenbar Handke mit aller Gewalt zu einem „serbischen Staatsbürger“ oder ihn staatenlos machen.

Es ist beschämend und erbärmlich, wie hier vorgegangen wird. Es ist bestürzend, welcher Hass sich über einen Autor und sein Lebenswerk ergießt, der konsequent und radikal ohne erkennbaren Vorteil für sich selbst, vielmehr sogar noch zum eigenen Schaden, die Autonomie seiner schriftstellerischen Existenz gegen die an ihn und alle anderen SchriftstellerInnen gerichteten Erwartungshaltungen behauptet.

Die Anti-Handke-Propaganda rechnet nicht nur mit Handke ab, sie rechnet mit jedem störenden Einfluss in öffentlichen Auseinandersetzungen von Autorenseite ab. Es wird ein Machtanspruch über jeglichen Versuch selbständiger Sichtweisen gestellt. Gegen diese mediale Hetze gegen Peter Handke und die Autonomie der SchriftstellerInnen setzen wir uns mit allem Nachdruck zu Wehr.

Wir haben uns in der Vergangenheit nicht mit unseren ausgebürgerten Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern solidarisiert, um jetzt eine angezettelte Ausbürgerungsdebatte um Peter Handke bei uns stillschweigend zu übergehen. Wir haben uns nicht gegen propagandistische Hetze gegen dissidente Autorinnen und Autoren in anderen Ländern zur Wehr gesetzt, um zu einer propagandistischen Hetze gegen einen Autor bei uns zu schweigen.

Wir fordern alle an der Debatte Beteiligten dringend dazu auf, sich an den unmittelbar auf Handke zutreffenden Fakten zu orientieren, anstatt über den Umweg einer Debatte über Peter Handke die versäumte Auseinandersetzung mit einem außerhalb der betroffenen Länder ansonsten ganz und gar verdrängten Kapitel jüngerer europäischer Geschichte nachzuholen. Der Wille zur Illiberalität selbst bei sich für liberal haltenden Medien ist nur noch erschreckend.

Wir laden alle Kolleginnen und Kollegen dazu ein, sich mit uns gemeinsam gegen diese Form der Auseinandersetzung zu wenden und der Erklärung beizutreten.

Scott Abbott, Literaturwissenschaftler, Autor, Handke-Übersetzer, Utah
Thorsten Ahrend, Literaturwissenschaftler, Lektor, Leipzig – Göttingen
Klaus Amann, Literaturwissenschaftler, Klagenfurt
Christian Ankowitsch, Journalist, Autor, Berlin
Gabriella Attems, Lyrikerin, Wien
Anna Baar, Schriftstellerin, Klagenfurt – Wien
Thomas Ballhausen, Autor, Literaturwissenschaftler, Wien
Ewald Baringer, Autor und Journalist, Klosterneuburg
Edwin Baumgartner, Autor und Kulturjournalist, Wien
Silvia Bengesser, Literaturwissenschaftlerin, Salzburg
Clemens Berger, Autor, Wien
Beppo Beyerl, Autor, Wien
Brunhilde Bartsch, AHS-Professorin i.R., Graz
Kurt Bartsch, Literaturwissenschaftler, Graz
Nora Bossong, Schriftstellerin, Berlin
Stefanie Brottrager, Sprachkünstlerin, Wien
Hubert Canaval, Autor, Regisseur, Wien
Jaqueline Csuss, Übersetzerin, Wien
Herbert Debes, Herausgeber des Literaturmagazins „Glanz&Elend“, Frankfurt/Main
Claudia Dürr, Literaturwissenschaftlerin, Wien
Arno Dusini, Literaturwissenschaftler, Wien
Hans Eichhorn, Schriftsteller, Attersee
Erwin Einzinger, Schriftsteller und Übersetzer, Micheldorf
Achim Engelberg, Autor, Publizist, Berlin
Anna Estermann, Literaturwissenschaftlerin, Salzburg
Michaela Falkner, Autorin, Wien
Milena Findeis, Online-Sammlung „Zeitzug“, Prag
Karin Fleischanderl, Übersetzerin, Kritikerin, Herausgeberin, Wien Irene Fußl, Literaturwissenschaftlerin, Salzburg
Stefan Gandler, Literaturwissenschaftler, Querétaro, México
Petra Ganglbauer, Autorin, Wien
Marion Gees, Literaturwissenschaftlerin, Chemnitz
Georges-Arthur Goldschmidt, dreißig Jahre Handke-Französisch-Übersetzer, Paris
Herwig Gottwald, Literaturwissenschaftler, Salzburg
Elvira M. Gross, Lektorin, Übersetzerin, Texterin, Wien
Sabine Gruber, Autorin, Wien
Angela Gutzeit, Literaturkritikerin, freie Redakteurin und Moderatorin, Deutschlandfunk, Köln
Wolfgang Hermann, Autor, Wien
Malte Herwig, Autor und Biograph von Peter Handke, Hamburg
Hannes Hofbauer, Verleger, Wien
Hans Höller, Literaturwissenschaftler, Salzburg
Manfred Horak, Herausgeber von Kulturwoche.at, Wien
Robert Huez, Literaturwissenschaftler, Wien
Karin Ivancsics, Autorin, Wien
Pia Janke, Literaturwissenschaftlerin, Wien
Nils Jensen, Autor, Redakteur, Wien
Peter Stephan Jungk, Autor, Paris
Klaus Kastberger, Literaturwissenschaftler, Graz
Paul Keckeis, Literaturwissenschaftler, Klagenfurt
Daniela Kickl, Autorin, Cork
Esther Kinsky, Übersetzerin, Autorin, Friaul – Wien
Margarita Kinstner, Schriftstellerin, Graz
Petra Kislinger, Texterin und Übersetzerin, Wien
Angelika Klammer, Lektorin, Wien
Gabriele Kögl, Autorin, Wien
Michael Krüger, Autor, München
Primus-Heinz Kucher, Literaturwissenschaftler, Klagenfurt
Tom Kuhn, Literaturwissenschaftler, Oxford
Ingeborg Kumpfmüller, Gestalterin, Wien
Hubert Lengauer, Literaturwissenschaftler, Klagenfurt
Helmut Lethen, Literaturwissenschaftler, Wien
Cvetka Lipuš, Autorin, Salzburg
Gabriel Lipuš, Sänger, Komponist, Klagenfurt/Celovec
Charlie Louth, Literaturwissenschaftler, Oxford
Gerhard Melzer, Autor und Literaturwissenschaftler, Graz
Werner Michler, Literaturwissenschaftler, Salzburg
Manfred Mittermayer, Literaturwissenschaftler, Rauriser Literaturtage, Salzburg
Waltraud Mittich, Schriftstellerin, Südtirol
Helmut Moysich, Literaturwissenschaftler, Kumberg
Hans Georg Nenning, Autor, Schauspieler, Wien
Gunther Nickel, Literaturwissenschaftler, Darmstadt
Clemens Özelt, Literaturwissenschaftler, Lausanne
Clemens Peck, Literaturwissenschaftler, Salzburg
Katharina Pektor, Literaturwissenschaftlerin, Wien
Peter Pessl, Autor, Wien
Georg Pichler, Literaturwissenschaftler, Madrid
Johann Pleschiutschnig, Sozialwissenschaftler, Bleiburg/Pliberk Thomas Podhostnik, Schriftsteller, Leipzig
Martin Prinz, Schriftsteller, Wien
Evelyne Polt-Heinzl, Literaturwissenschaftlerin, Wien
Teresa Präauer, Schriftstellerin, Wien
Julya Rabinowich, Autorin, Wien
Doron Rabinovici, Autor, Wien
Žarko Radaković, serbischer Übersetzer/Reisebegleiter von Handke, Köln
Julia Reichert, Autorin, Regisseurin, Wien
Angelika Reitzer, Autorin, Wien
Klemens Renoldner, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Salzburg Peter Reutterer, Autor, Salzburg
Jens-Uwe Ries, Kleinstverleger, Schriftsteller, Husum-Sylt
Ritchie Robertson, Literaturwissenschaftler, Oxford
Anna Rottensteiner, Literaturvermittlerin, Innsbruck
Ulrich Rüdenauer, Journalist, Bad Mergentheim – Berlin
Gerhard Ruiss, Autor, Wien
Gabriele Russwurm-Biro, Autorin, Journalistin, Klagenfurt
Marlen Schachinger, Autorin, Kleinbaumgarten
Erika Scherer, Autorin, Verlegerin, Goldegg
Siljarosa Schletterer, Autorin, Innsbruck
Eva Schmidt, Schriftstellerin, Bregenz
Franz Schuh, Schriftsteller, Essayist, Wien
Ines Schütz, Literaturvermittlerin, Rauriser Literaturtage, Salzburg Klaus Seufer-Wasserthal, Buchhändler Rupertus Buchhandlung, Salzburg Clemens J. Setz, Schriftsteller, Übersetzer, Graz
Heinz Sichrovsky, Kulturredakteur, Wien
Thomas von Steinaecker, Autor, Augsburg
Wolfgang Straub, Literaturwissenschaftler, Wien
Daniela Strigl, Literaturwissenschaftlerin, Wien
Lothar Struck, Autor von u.a. „Der mit seinem Jugoslawien“, Düsseldorf
Ida Szigethy, Malerin, Herausgeberin, Wien
Ulrike Tanzer, Literaturwissenschaftlerin, Innsbruck
Barbara Tilg, Autorin, Landeck
Sylvia Treudl, Autorin, Wien
Andreas Unterweger, Autor, Graz
Karl Wagner, Literaturwissenschaftler, Zürich – Wien
Anne Weber, Autorin, Paris
Norbert Wehr, Herausgeber des „Schreibheft“, Zeitschrift für Literatur, Graz
Franz Weinzettl, Schriftsteller, Graz
Lojze Wieser, Verleger, Klagenfurt/Celovec
Helmut Wiesner, Schauspieler und Regisseur, Wien
Herbert J. Wimmer, Autor, Wien
Karl Wimmler, Autor, Graz
Josef Winkler, Schriftsteller / Klagenfurt
Daniel Wisser, Autor, Wien
Sylvia Wittgenstein, Mitarbeiterin des österreichischen Presse- & Informationsdienstes i.R., New York
Barbara Zanotti, Alphabet-Erwanderin, Wien
O.P. Zier, Autor, St. Johann im Pongau

Initiiert von: Werner Michler, Daniel Wisser, Doron Rabinovici, Gerhard Ruiss, Julya Rabinowich, Klaus Kastberger, Teresa Präauer Wien, 14.11.2019

Weitere Unterstützungen bitte an: Gerhard Ruiss, gr@literaturhaus.at

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1 Kommentar
  1. Hans Huber sagt

    Es wäre gut und wichtig, konkret auf die von Hass durchsetzten Medienberichte hinzuweisen. Ich habe viele Medien zu dieser Debatte verfolgt, aber Hass schlägt mir bei der Handkeberichterstattung selten entgegen. Empörung ja, die aber ist berechtigt, die soll es und muss es geben. Es gibt genügend Gründe empört über Handkes Schreiben und v.a. Handeln zu sein. Handke selbst geriert sich gerne als Wutbürger, er diskreditiert ganze Berufsgruppen und das schon seit Jahrzehnten. Es geht auch nicht um Propaganda, sondern um sachliche und stichhaltige Auseinandersetzungen, die bei seinen Verteidigern oft auf taube Ohren stoßen. Was ich bemerke nach viel Lektüre und zahlreichen Gesprächen, dass kaum ein Germanist/in, ein/e AutorIn oder ein LiteraturwissenschafterIn einen tiefergehenden Einblick in die jugoslawische Verfallsgeschichte und über die Implikationen des Jugoslawienkonfliktes hat. Die Kritik, wonach die Hassschreiber eine versäumte Auseinandersetzung mit einem außerhalb der betroffenen Länder ansonsten ganz und gar verdrängten Kapitel jüngerer europäischer Geschichte nachholen würden, verweist für mich auf diesen Mangel an Wissen, und darüberhinaus verweist sie auf ein geradezu postkoloniales Denken, wonach nur ‚die da unten‘ empört seien, ein Balkanismus, der manchen Germanisten in Österreich nicht fremd ist! Diese Haltung beleidigt v.a. die kritischen Menschen in der Region, die seit Jahrzehnten versuchen gegen Nationalismus und Balkanisierung anzukämpfen. Das Argument ist auch falsch, denn kaum ein Konflikt hat die internationale Öffentlichkeit, Politikwissenschaftler, Historiker, Völkerrechtler, Religionswissenschaftler aber auch Literaten so sehr beschäftigt, wie der Zerfall Jugoslawiens. Genau deshalb gibt es auf Handkes Nobelpreis heute derart viele internationale Reaktionen aus den USA , aus GB, Frankreich bis nach Indien, Nun soll, so erscheint es mir, die fehlende Sachkritik der Initiatoren durch moralische Empörung kaschiert werden; man soll nicht mehr über Handke sprechen, sondern über das Sprechen über ihn. Das wird nicht gut gehen, denn Handkes Verirrungen sind so schwerwiegend, dass sie die Empörung in jedem Fall rechtfertigen.

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