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Zur Berichterstattung über den Suizid von DJ Avicii

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Wien (OTS) – Der Senat 3 des Presserats beschäftigte sich mit mehreren Artikeln über den Suizid von DJ Avicii und stellte dabei medienethische Verstöße fest. Die Artikel „Avicii tötete sich mit Glasscherbe“, erschienen am 02.05.2018 in der Tageszeitung „Österreich“, „Details zum Tod von Avicii an Öffentlichkeit gelangt“, erschienen am 01.05.2018 auf „heute.at“, sowie „Tragische Details um den Tod von Avicii“, erschienen am 01.05.2018 auf „krone.at“, verstoßen gegen Punkt 12 des Ehrenkodex für die österreichische Presse (Suizidberichterstattung).

In den Artikeln wird berichtet, dass sich der schwedische DJ Avicii mit einer Glasscherbe selbst getötet habe. Dabei wird genau geschildert, auf welche Art und Weise der Musiker zu Tode gekommen sei. Die Autoren der Artikel berufen sich dabei auf Informationen des US-Promi-Portals „TMZ“.

Der Senat wies zunächst auf Punkt 12 des Ehrenkodex für die österreichische Presse hin, wonach die Berichterstattung über Suizide im Allgemeinen große Zurückhaltung gebietet, insbesondere auch wegen der Gefahr der Nachahmung. Verantwortungsvoller Journalismus wägt ab, ob ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht und verzichtet auf überschießende Berichterstattung.

Der Senat erkannte in der Bekanntgabe der Todesursache des prominenten DJ zwar ein öffentliches Interesse. Die bloße Meldung über den Suizid war daher nicht zu beanstanden. Die Schilderung der exakten Tötungsmethode bewertete der Senat jedoch als überschießend. Der Suizid wurde in allen Einzelheiten und auf eine Art und Weise beschrieben, die Nachahmungen zur Folge haben könnte. Suizidgefährdete Personen können die detaillierten Medienberichte über den Suizid und die Beschreibung der genauen Tötungsmethode zum Anlass nehmen, auf eine ähnliche Weise Suizid zu begehen. Vor diesem Hintergrund dürfen auch im Fall eines Suizids einer prominenten Person die Details zur Suizidmethode nicht geschildert werden, so der Senat weiter. Gerade bei Suiziden von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und – wie im vorliegenden Fall – als sympathisch und beliebt wahrgenommen werden, ist von einer erhöhten Gefahr der Nachahmung auszugehen. Bezüglich der Artikel auf „heute.at“ und in der Tageszeitung „Österreich“ hob der Senat positiv hervor, dass auch Informationen zur Suizidprävention und zu einem Hilfsangebot für suizidgefährdete Personen veröffentlicht wurden. Diese Maßnahme kann die überschießende Berichterstattung allerdings nicht aufwiegen.

Der Senat stellte die Ethikverstöße fest und forderte die Medieninhaberinnen auf, die Entscheidung freiwillig in den betroffenen Medien zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND MEHRERER MITTEILUNGEN VON LESERINNEN UND LESERN SOWIE AUS EIGENER WAHRNEHMUNG

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Bezüglich des Artikels der Tageszeitung „Österreich“ führte der Senat 3 des Presserats aufgrund mehrerer Mitteilungen von Leserinnen und Lesern ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund von Mitteilungen). Bezüglich der Artikel von „heute.at“ sowie von „krone.at“ führte der Senat 3 aus eigener Wahrnehmung ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aus eigener Wahrnehmung).

Im Verfahren äußerte der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der Tageszeitung „Österreich“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht, die Medieninhaberinnen von „heute.at“ sowie von „krone.at“ hingegen nicht. Die Medieninhaberin der Tageszeitung „Österreich“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt, die Medieninhaberinnen von „heute.at“ sowie von „krone.at“ bisher nicht.

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1 Kommentar
  1. Tobias Claren sagt

    Dass er es mit einer Weinflaschen-Scherbe getan haben soll, ist nicht gerade ein Kandidat um den statistischen Platz eins „erhängen“ abzulösen.
    Googlet doch mal nach „Kohle-Kill“ (Vice) oder suizid kopflos in köln (focus).
    Das Erste ist eine sehr beliebte Methode, wenn die Menschen die erst mal kennen.
    Weil einfach, schmerzlos und sehr sicher.
    Das zweite eine Methode um damit Aufsehen zu erregen. Sich selbst mit der Kettensäge enthaupten, das erfordert ein wenig „Heimwerker“-Arbeit.

    In Deutschland wird es wohl bald Werbung in der Öffentlichkeit für die Webseite „Terminal-Decision“ (com) geben. Ist zu 100% legal.
    Auch wenn sie z.B. auf dem Kölner Dom prangt.

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