Energie- und Umweltagentur sucht Zwentendorf-Zeitzeugen | Brandaktuell - Nachrichten aus allen Bereichen

Energie- und Umweltagentur sucht Zwentendorf-Zeitzeugen

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St. Pölten (OTS/NLK) – Vor 40 Jahren stimmte die österreichische Bevölkerung über die Inbetriebnahme des AKWs Zwentendorf ab. Die Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (eNu) sucht nun Zeitzeugen und bittet Befürworter und Gegner von damals zu Wort.

1972 begann der Kraftwerksbau im niederösterreichischen Zwentendorf. Doch schon bald regte sich Widerstand in der Bevölkerung und kurz vor Inbetriebnahme kam es zu einer – aus heutiger Sicht historischen – Volksabstimmung am 5. November 1978. Das Ergebnis ist bekannt, die Österreicherinnen und Österreicher haben sich gegen das Kraftwerk entschieden und viele mögliche negative Auswirkungen (z. B. Störfälle, Müllproblematik, etc.) sind uns dadurch erspart geblieben. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf dazu: „Diese Abstimmung hat die Weichen für ein atomfreies Österreich gestellt und wir können dankbar sein für die Weitsicht der Menschen, die sich gegen das Kraftwerk ausgesprochen haben und damit den Grundstein für die Anti-Atom-Bewegung bzw. die Energiebewegung gelegt haben. Heute wissen wir, dass wir unseren Strombedarf zu 100 Prozent decken können, auch ohne Atomkraft. Dank des kontinuierlichen Ausbaus der erneuerbaren Energieträger erzeugen die niederösterreichischen Wasserkraftwerke, Windräder, Biomasse- und Photovoltaikanlagen derzeit mehr Strom, als wir verbrauchen“.

Was viele nicht wissen ist, wie knapp die Entscheidung vor 40 Jahren war. Eine hauchdünne Mehrheit – die Gegner konnten gerade einmal 30.000 Menschen mehr überzeugen als die Befürworter – gab den Ausschlag. Herbert Greisberger, Geschäftsführer der eNu, meint:
„Viele Menschen haben damals in der Atomkraft ein großes Potenzial gesehen. Sie versprachen sich wirtschaftlichen Fortschritt und waren von der Technik begeistert. Tschernobyl und Fukushima lagen noch in ferner Zukunft, die Atomkraft war auch bei den meisten Expertinnen und Experten unumstritten.“

Die unterschiedlichen Meinungen und Standpunkte möchte die Energie-und Umweltagentur Niederösterreich aufzeigen. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden gesucht. Menschen, die damals abgestimmt haben oder die sich zum Beispiel aus ihrer Schulzeit an die Diskussionen erinnern können, sollen ebenso zu Wort kommen wie Aktivistinnen und Aktivisten beider Lager. Ziel ist es, die Überlegungen von damals auch einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen und zu zeigen, dass eine sichere und saubere Energieversorgung keine Selbstverständlichkeit ist.

Alle, die sich selbst erinnern können oder deren Eltern und Großeltern mitmachen wollen, können auf www.enu.at/zeitzeugen ihre Erfahrungen teilen oder die Berichte von anderen lesen. Jeder Beitrag zählt und wer mitmacht, erhält ein kleines Dankeschön.

Nähere Informationen: Büro LH-Stv. Pernkopf, DI Jürgen Maier, Telefon 02742/9005-12704, E-Mail lhstv.pernkopf@noel.gv.at, bzw. Energie- und Umweltagentur NÖ, Mag. Christina Mutenthaler, Telefon 02742/219 19, E-Mail christina.mutenthaler@enu.at, www.enu.at

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  1. Rosina Strayhammer sagt

    Im Jahr der Abstimmung habe ich an einer VS unterrichtet. An die Schule – glaube ich zumindest – kamen viele Informationen und auch im ORF kamen viele Fachleute unterschiedlichster Meinung zu Wort. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel gegen Atomkraft zu stimmen. Die Problematik der Entsorgung und Strahlung des Abfalls über so lange Zeit war doch Argument genug den Pro – Fachleuten nicht zu glauben.
    Die Tatsache, dass schon so viel Geld investiert worden war, war einer Überlegung wert, (aber auch damals hat niemand sein Haus trotz schon hoher Investitionen fertig gebaut, wenn man einen schwerwiegenden Fehler bemerkte). Oft wurde und wird die Meinung vertreten, die Leute hätten nur aus politischen Gründen (gegen Kreisky) dagegen gestimmt. (Was für einige auch so war).Das ärgert mich heute noch maßlos. Warum setzt man a priori voraus, dass Österreicher nicht nachdenken und Verantwortung übernehmen wollen? Trotzdem – dass es möglich war bei diesem Baufortschritt abzustimmen – stellte irgendwie das „normale“ Denken auf den Kopf.

  2. Rosina Strayhammer sagt

    Im Jahr der Abstimmung habe ich unterrichtet. Es kamen viele Informationen an die Schule und im ORF kamen viele Fachleute zu Wort. Man konnte sich zwischen den Pro und Contras der Fachleute gut ein Meinung bilden. Ich hatte nicht den geringsten Zweifel gegen Atomkraft zu stimmen. Die Problematik der Entsorgung des Abfalls und der so lange Zeit dauernden Strahlung war doch Grund genug den Pro-Fachleuten nicht zu glauben. Maßlos ärgert mich heute noch, dass unterstellt wurde und wird, die Leute hätten nur aus politischen Gründen dagegen gestimmt. Sicher, einige haben bewusst diese Wahl getroffen. Aber warum traut man Österreichern nicht zu, dass sie nachdenken und Verantwortung übernehmen wollen? Trotzdem – dass es möglich war trotz dieses Baufortschritts noch abzustimmen – stellte das „normale“ Denken doch irgendwie auf den Kopf.

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